
Der 27. Januar ist der Tag, an dem den Opfern des Holocausts gedacht wird, es ist der Tag, an dem 1945 die Rote Armee die übriggebliebenen Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz befreite. Seit 1996 ist der 27. Januar Gedenktag.
Umso wichtiger ist es, an diesem Tag ein Zeichen zu setzen in einer Welt, in der die braune Ideologie erneut viele Menschen zu vergiften droht. Unzählige Menschen sind an diesem Tag und dem darauffolgenden Sonntag wieder gegen Rechts auf die Straße gegangen, allein in Düsseldorf über 100.000.
Nun ist der Protest gegen Rechts auch in der Provinz angekommen. Ich hatte für diesen Samstag Hof eingeplant. Die Grüne Jugend hatte zu einer Kundgebung aufgerufen. Als ich das erste Mal davon gelesen hatte, rechnete man mit ungefähr 200 Teilnehmern. Nachdem man Kenntnis von den mächtigen Demonstrationen in vielen Städten am vergangenen Wochenende erlangt hatte, erhöhte man auf 1000. Am Ende waren es, nach vorläufiger Schätzung des Polizeisprechers, 6000. Man sah und hörte der jungen Veranstalterin an, wie sehr bewegt sie davon war. Das waren sicher auch all die, die in der Altstadt Hof zusammengekommen waren, um ihren Willen für eine freie und bunte Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen. Vor allem war es ein breites Bündnis aus allen Teilen der Bevölkerung, was sich auch an den Redebeiträgen zeigte. Die kamen unter anderem von der Grünen Jugend, den Grünen, Gewerkschaftsvertretern von der IG Metall, von Parteien und der Kirche (auch wenn der einige Missfallensrufe zu hören bekam), von Fridays for Future und nicht zuletzt von der Oberbürgermeisterin der Stadt, Eva Döhla, die in ihrer leidenschaftlichen Rede auf die Rolle von Hof in Vergangenheit und Gegenwart zu sprechen kam sowie darauf Bezug nahm, welches Frauenbild die AfD in der Gesellschaft vermittelt. Ein derartig starkes Engagement wünschte man sich von viel mehr Lokalpolitikern. Der laute Beifall für ihre Worte war mehr als berechtigt und kam von Herzen. Aus meiner Perspektive war leider kein besseres Foto möglich.

Auf den grünen Fahnen einiger Teilnehmer habe ich bei dieser Gelegenheit eine weitere Bewegung kennenlernen dürfen, die mir bisher tatsächlich unbekannt war: Parents for Future. Natürlich, Eltern, die für die Zukunft ihrer Kinder Verantwortung übernehmen.

Am Ende haben sich die Redner der Veranstaltung in Hof noch einmal vor dem Transparent mit dem Thema der Kundgebung für ein Abschlussfoto versammelt.

Es war ein bisschen der Geist von ‘89 zu spüren. Danke Hof. Ihr habt uns ’89 geholfen, diesmal bin ich gerne zu euch gekommen, was auch ein Zeichen dafür ist, dass die Regionen zusammengewachsen sind, dass wir gemeinsam Verantwortung füreinander übernehmen. Genau das kam in vielen Redebeiträgen zum Ausdruck. Das gibt vielen Kraft und vermittelt Hoffnung. Denn das Wichtigste an all den Demonstrationen in diesen Tagen ist die Erkenntnis: Niemand ist allein. Lassen wir uns nicht spalten, von niemandem. Ich komme sicher wieder. Nach Hof.

Oder nach Plauen. Da gab es an diesem Tag auf dem Altmarkt ebenfalls eine Kundgebung gegen Rechts. Dort versammelten sich nach offiziellen Angeben etwa 1800 Personen. Ein Zeichen, das hoffentlich wahrgenommen wird und eine Fortsetzung erfährt.
