Verfasst von: eleucht | 8. August 2022

Zerbrechlich

Zwei Jahre hatte auch in der Porzellanstadt Selb das gute Geschirr im Schrank bleiben müssen. In diesem Jahr nun endlich durften sich die Großen des Porzellanhandwerks und auch die vielen kleinen Händler wieder in gewohnter Qualität präsentieren. In der Innenstadt von Selb bogen sich im strahlenden Sonnenschein an jeder Ecke und auf jeder Straße die Tische unter den Bergen und Stapeln von zerbrechlichem Gut. Das Porzellinerfest zog und zieht stets eine Menge Besucher an.

Ach ja, zu verdanken ist die europäische Porzellanproduktion und damit auch dieses Spektakel ja den Sachsen. Gern geschehen. Auch wenn Johann Friedrich Böttger nicht gerade freiwillig in der Jungfernbastei der Festung Dresden saß. Er sollte im Auftrag des sächsischen Königs Gold herstellen. Davon brauchte August der Starke einfach mehr, wenn er mit dem französischen Hof konkurrieren wollte. Am Ende war es das weiße Gold, hinter dessen Geheimnis Böttger gekommen war und das seitdem einen Siegeszug um die Welt antrat. Und Jahr für Jahr auch im oberfränkischen Selb zu Ehren kommt. Mit kulinarischen Genüssen aus Oberfranken, einem Rahmenprogramm mit Musik und auch etwas Biergartenstimmung. Im Hof der Philip Rosenthal GmbH gab das Ray Hautmann Trio Musik in fränkischer Mundart zum Besten. Dabei ging es vielfach um die Wurst. Die sich bei den Franken bekanntermaßen großer Beliebtheit erfreut. Bei der Gelegenheit habe ich auch erfahren, was ein Wursteinleger ist. Dabei handelt es sich um denjenigen, der beim Wurstverkauf die fertig gebratene Wurst in die Semmel legt. Scheint ein verantwortungsvoller Job zu sein, denn am Ende, so heißt es im Refrain, legt er wirklich alle rein.

Verfasst von: eleucht | 7. August 2022

Classic Rock Sunday

Sphärische Soundschnipsel zusammengefügt zu langen und komplexen Soundcollagen in wagnerianischer Opulenz, Soundteppiche aus wabernden elektronischen Klängen, die uns in fremde Welten entführen. Musik, die vor allem in Deutschland ihren Ursprung hatte und von Musikern wie Kraftwerk und Klaus Schulze kreiert wurde. Letzterer war auch eine Zeit lang Schlagzeuger bei der Band Tangerine Dream. Das waren Pioniere, die das bis dahin unbekannte Land der elektronischen Musik für die Welt erschlossen. Diese Musik war in den Sechzigern und Siebzigern total neu und total heiß. Nicht einmal das AMIGA-Label des VEB Deutsche Schallplatten hat sich von der Veröffentlichung einer Tangerine Dream-Schallplatte abhalten lassen. Wenn auch geraume Zeit später. Man konnte zeigen, dass man auf der Höhe der Zeit war und mit Instrumentalmusik konnte kein aufrührerisches Gedankengut transportiert werden.

Klaus Schulze wurde somit auch zu einem Pionier der späteren Ambient- und New-Age-Musik. Nach Tangerine Dream gründete er die Band Ash Ra Tempel mit, er war mit seiner Minimal Music einer der wichtigsten Vertreter der Berliner Schule und schrieb auch jede Menge Filmmusik.

Am 4. August wäre Klaus Schulze 75 Jahre alt geworden. Leider riss ihn eine schwere Krankheit am 26. April diesen Jahres aus dem Leben. Zurück bleibt ein schwer überschaubares Gesamtwerk elektronischer Musik, die er gelegentlich auch unter seinem Pseudonym Richard Wahnfried produzierte.

Verfasst von: eleucht | 1. August 2022

Flanieren

Einmal im Monat, wenn das Wetter mitspielt, es vor allem also nicht regnet, erwacht im fränkischen Bad Steben die Zeit des Biedermeier zu neuem Leben. So flanierten einst die Kurgäste in ihren aufwendigen und farbenprächtigen Kleidern – manche Herren vornehm in Schwarz und mit Zylinder – durch den weiträumigen schönen Kurpark. Flanieren bedeutet sehen und gesehen werden. Darauf kommt es auch heutzutage an. Und es wird gern gesehen.

Erinnerungen an Bilder von Carl Spitzweg werden wach. Biedermeier – man stellt sich eine schönere, weniger beschwerte Zeit vor, als die, die wir gerade erleben. Aber dem war keineswegs so. Nach dem Ende der napoleonischen Kriege brachte Biedermeier die Kunst und Kultur des aufstrebenden Bürgertums zum Ausdruck, während die zur gleichen Zeit stattfindende Gegenbewegung, der Vormärz, bereits den Keim des Revolutionären in sich trug. Insofern sind die Unterschiede zur heutigen Zeit gar nicht so groß.

Aufstellen zum Gruppenfoto. Nicht für mich, ich kam nur zufällig dazu. Das Foto ist trotzdem im Kasten.

Verfasst von: eleucht | 31. Juli 2022

Classic Rock Sunday

Es ist an sich nichts Neues, dass Künstler die Helden ihrer eigenen Jugend verehren und das auch in ihren Songs zum Ausdruck bringen, sei es als Coverversion oder als Tribut. Die Stones, vor allem Keith Richard, haben das mit den Bluesmusikern getan, von deren Musik sie inspiriert wurden, die Beatles u.a. mit Buddy Holly und Bob Dylan – bevor er selbst zum Mythos wurde – mit den Grandseigneurs des Folk wie Woody Guthrie.

Wenn sich eine Band Buzzard Buzzard Buzzard nennt, dann mutet das in gewisser Weise schon ziemlich verrückt an. Die vier Jungs im Retrolook aus Cardiff haben diese Verehrung in ihrem Stück John Lennon is my Jesus Christ auf die Spitze getrieben. In ihrem Song singen sie davon, was Musiker wie John Lennon, Marc Bolan, David Bowie und Bill Fay für sie bedeuten. Eine Menge Glam klingt da mit. Vorsicht! Die hymnische Musik bekommt man so schnell nicht wieder wieder aus dem Kopf.

Verfasst von: eleucht | 24. Juli 2022

Classic Rock Sunday

Alles klar, Herr Kommissar?

Klar, der Kommissar von Falco war 1981 ein Nummer-eins-Hit in mehreren europäischen Ländern und Japan. Das Stück stammt aus dem Falco-Album Einzelhaft.

Ein Jahr später geisterte ein weiterer Kommissar durch die Musikwelt. Der stammte von der englischen Band After the Fire. In Europa wenig erfolgreich, dafür Nr. 5 in den US-Billboard Charts.

After the Fire wurden in Deutschland vor allem durch ein Instrumentalstück bekannt. 1980-f wurde die Erkennungsmelodie einiger Radiosendungen, u.a. fand es auch bei Thomas Gottschalk Verwendung.

Heute und hier ermittelt noch einmal der Kommissar von After the Fire.

Verfasst von: eleucht | 18. Juli 2022

 Funky František

Über den Himmel eilen weiße und dunkle Wolken, als wollten sie schnell Platz machen für die angekündigte Hitzewelle. Zwischendurch sticht immer wieder heiß die Sonne durch die Wolkenlücken. Sie wird gemildert durch eine kühle Brise. Ideales Sommerwetter.

Die Národní třída im böhmischen Františkovy Lázně ist vollgestellt mit Karikaturen aus aller Welt. Sie sind Teil des Internationalen Comic Festivals, das diesmal unter dem Motto Essen und Trinken steht. Bei manch einer Karikatur kann einem dann schon mal ein Bissen im Hals stecken bleiben. Das ist natürlich beabsichtigt. Das ist die Aufgabe der Karikatur. Und davon ist auch der Despot im Kreml nicht ausgenommen. Hier sieht man, was er an seinem lächerlich langen Tisch am liebsten zu sich nimmt. Neben einer Jury können auch die vielen Gäste die ausgestellten kleinen Kunstwerke bewerten.

Im Zusammenhang mit dem Festival gibt es ein reichhaltiges Kulturprogramm. Und da wird es laut im Kurbad. Drum for Fun kündigt ein Plakat an, und auf einer Bühne wird tatsächlich alles, was es an Schlagwerk gibt, zusammengetragen. Der Name der tschechischen Band ist Programm, laute, mitreißende Rhythmen, ein mächtig wummernder Bass und funky Gitarre. Das macht Spaß. Die Feinheiten der Moderation habe ich dann aber doch nicht mitbekommen, so weit reicht mein Tschechisch leider nicht.

Am Ende hat die Sonne doch gesiegt, wieder zu Hause angekommen, bemerke ich den Sonnenbrand auf meiner Haut.

Anbei noch ein Video von der Band Drum For Fun. Live hört sich das natürlich um vieles besser an. Englisch mit tschechischem Akzent klingt irgendwie reizend.

Verfasst von: eleucht | 17. Juli 2022

Classic Rock Sunday

Anfang der 70er Jahre begann in der DDR eine Zeit der Veränderung, der Liberalisierung. Was seinen Grund wohl in den Weltfestpielen der Jugend hatte, die 1973 in der DDR stattfanden. Der Staat wollte sich von seiner besten Seite zeigen und Weltoffenheit demonstrieren. Auch in die Kinos kamen Filme aus den DEFA-Studios, die das Publikum, vor allem das jüngere, ansprachen, sodass sie heute noch Kult sind. Es waren Filme, die das Thema Leben in der DDR zum Inhalt hatten und trotzdem das Interesse des Publikums weckten, vor allem weil sie ein kleines bisschen (oder auch ein bisschen mehr) von der Wirklichkeit und den Menschen und ihren ganz persönlichen Problemen zeigten. Keine Helden des Klassenkampfes, sondern Alltagsmenschen wie du und ich. Erstmals war in diesen Filmen auch Musik von Rockgruppen zu hören. In dem Film „Die Legende von Paul und Paula“, zu dem Ulrich Plenzdorf das Drehbuch schrieb und den Angela Merkel zu ihrem Lieblingsfilm kürte, kamen die Puhdys zu musikalischen Ehren. Ihre vom Komponisten Peter Gotthardt geschriebenen Songs Geh zu ihr und Wenn ein Mensch lebt gehören zu den erfolgreichsten und beliebtesten Hits der Band, auch wenn sie den Vorwurf, Plagiate zu sein, nie loswurden. Zu sehr erinnern die Stücke an Look Wot You Dun von Slade und Spicks and Specks von den Bee Gees.

Ein Jahr später kam der Film „Für die Liebe noch zu mager“ mit der ausgezeichneten Simone von Zglinicki in die DDR-Kinos, in der die Probleme von Jugendlichen beim Erwachsenwerden thematisiert wurden. Darin haben sich wohl viele selbst wiedererkannt, zu speziell waren die Sehnsüchte, Träume und Wünsche, die die Protagonisten darin äußerten. Die Musik für diesen Film steuerten u.a. Renft bei. Als ich wie ein Vogel war ist einer der großartigsten Songs des DDR-Rocks und zeigt Sänger Thomas Schoppe auf dem Zenit seiner Karriere. Es gibt kaum einen Sänger, der stimmlich mit ihm mithalten konnte.

Das Tauwetter in der DDR währte bekanntermaßen nicht lange, die nächste Eiszeit mit noch mehr Restriktionen, noch mehr Verboten und noch mehr Einschränkungen kündete sich schon an.

Als die Hauptdarsteller des Films „Die Legende von Paul und Paula“ – Winfried Glatzeder und Angelica Domröse – der DDR den Rücken kehrten, wurde der Film nicht mehr aufgeführt. Ein Versuch, DDR-Flüchtlinge aus dem öffentlichen Bewusstsein zu drängen. Was natürlich nie gelang. Ähnlich erging es dem Film „Für die Liebe noch zu mager“. Spätestens als die Gruppe Renft ein endgültiges Auftrittsverbot erhielt, verschwand auch dieser Film in der Versenkung. Aber der Wunsch nach echten Levi‘s Jeans blieb. „Mensch Opa, das sind echte Levis‘s!“ Wobei Levi‘s symbolisch natürlich für sehr viel mehr stand.

Verfasst von: eleucht | 15. Juli 2022

The Cat Files – Neues von Mulder und Scully

Katzen sind Einzelgänger, in diesem Sinne kann man sie also durchaus als egoistisch bezeichnen. Rücksicht auf die Wünsche anderer, egal ob Mensch oder Mitkatze, spielen da keine Rolle. Wenn Katzen schmusen oder spielen wollen, dann schaffen sie es meistens auch irgendwie, ihren Willen zu bekommen. Haben sie keine Lust dazu, werden Mensch oder Mitkatze ignoriert oder gar abgewiesen.

Auch Mulder und Scully sind da keine Ausnahme. Besonders deutlich bringt das Scully zum Ausdruck. Wenn sie ihre Ruhe haben will und keine Lust zum Spielen oder Jagen hat und Mulder kommt ihr trotzdem zu nahe, dann wird er heftig angefaucht. Wenn ihr nach Putzen oder Kuscheln ist, dann legt sie sich zu Mulder, egal ob der gerade döst oder schläft. Mulder wiederum setzt sich bei anderen Gelegenheiten durch.

Verfasst von: eleucht | 10. Juli 2022

Classic Rock Sunday

Die 70er Jahre markieren zweifellos das Jahrzehnt des Rock. Wenn man also heute von Rockmusik spricht, denkt man zumeist an die Lordsiegelbewahrer des Rock wie Neil Young und die Rolling Stones, vielleicht noch an Jack White. In Sachen Rock steht Sachsen vielleicht nicht gerade im Mittelpunkt des Interesses. Dabei hat der Rock schon seit Ostzeiten in Sachsen Tradition. Wer nicht gerade ein Hardcore Puhdys-Fan war oder ist – und das bin ich definitiv nicht – wird dem mit Sicherheit zustimmen. Dabei lohnt sich heute ein Blick nach Sachsen ganz besonders. Aus Dresden kommt eine der besten neuen Rockbands, eine Band mit der heißesten Frontfrau und der aufregendsten Stimme. Letztere gehört Francis Tobolsky. Sie ist nicht nur die Sängerin der Band Wucan, sie spielt neben Gitarre auch Querflöte und Theremin. Die Energie des Rocks der 70er ist in der Musik von Wucan unüberhörbar. Der Begriff Retro ist in ihrem Fall aber ganz und gar nicht angebracht. Man sollte auch nicht versuchen, ihre Musik in irgendwelche Kategorien einzuordnen. Vor allem klingt ihr Rock sehr zeitgemäß, ist im Heute verortet. Selbst dann, wenn sie zum Beispiel einen alten Renft-Klassiker aus dem Jahre 1972 interpretieren. Francis Tobolsky singt das Stück Zwischen Liebe und Zorn mit so viel Leidenschaft und Aggressivität in der Stimme (rollendes R eingeschlossen), dass eine Steigerung nicht mehr möglich ist. Heretic Tongues heißt das neue Album, das nach langer Zwangspause wegen Corona nun endlich erschienen ist. Die Band singt ihre Texte darauf in Englisch und Deutsch. Auch Live-Auftritte und eine Tournee sind wieder möglich.

Verfasst von: eleucht | 3. Juli 2022

Classic Rock Sunday

Claudia Brücken und Susanne Freytag waren die Gesichter von Propaganda, der Band, die 1982 in Düsseldorf gegründet wurde. Ihre typisch deutsche Herzschlag-Rhythmus-Maschinenmusik hatte vor allem eins: jede Menge Pop Appeal. Das hatte man so aus Deutschland noch nicht gehört. 1984 zog die Band nach England. Trevor Horn, der in jenem Jahrzehnt so ziemlich alles produzierte, was Erfolg versprach, nahm sich ihrer an.

Nach ersten Erfolgen kam es zu Streitigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen Band und Plattenfirma und letztlich auch zum Split. Versuche einer Reunion gab es mehrere, aber Propaganda sollten nie wieder in Originalbesetzung zusammenkommen.

Nachdem Susanne Freytag und Claudia Brücken in einem Londoner Club ihr Classic-Album A Secret Wish aufgeführt hatten, kam es zur Zusammenarbeit mit Stephen Lipson, der mit der Band, die nun unter dem Namen xPropaganda (schönes Wortspiel) auftrat, das Album The Heart Is Strange produzierte.

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