Posted by: eleucht | 11. September 2024

„Critical Mass“ – Daniel Suarez


Die Bücher, über die ich schreibe oder die ich rezensiere, wurden von mir gekauft. Es gibt keinerlei geschäftliche oder anders geartete Beziehungen zu den Verlagen, Verlagsgesellschaften oder Autoren.

James Tighe, kurz J.T. genannt, und eine internationale Crew fördern auf einem Asteroiden Rohstoffe, die sie mit automatisierten Raumschiffen zur Erde schicken. Eine prekäre Situation macht es notwendig, dass zwei Crew-Mitglieder auf der Raumstation zurückbleiben müssen, als die anderen zur Erde zurückkehren. Deren Interesse richtet sich fortan darauf, die Zurückgebliebenen zu retten, so bald sich der Asteroid wieder in Erdnähe befindet, denn es wurde bekannt, dass die Raumstation am Asteroiden von einer feindlich eingestellten Nation gekapert wurde. Die Unsicherheit, ob die Astronauten nach dem Angriff noch am Leben sind, ist groß.

Der Roman beschreibt auf erschreckende Weise eine Realität, die durchaus bald schon Wirklichkeit werden kann. Eine Dystopie, die im Jahre 2038 beginnt und eine Erde zeigt, die durch die Auswirkungen der Klimakatastrophe zunehmend unbewohnbarer wird. Brände vernichten weltweit ganze Wälder, während andernorts Städte in Fluten versinken, die Hitze bedroht das Leben, was natürlich zu sozialen Spannungen in einem unvorstellbaren Ausmaß führt. Demokratien und Autokratien stehen sich unversöhnlich gegenüber – im Roman ein Spiegelbild der gegenwärtigen gesellschaftlichen Zustände.

Ein paar wenige Enthusiasten gehen dank großzügiger Geldgeber, die sich einen wirtschaftlichen Gewinn versprechen, daran, in der Mondumlaufbahn und auf der Mondoberfläche eine neue Industrie aufzubauen, die die Lage auf der Erde entspannen könnte, da Rohstoffe auf dem Mond abgebaut werden können und Energie dank einer speziellen Technik in Risikogebiete der Erde gebeamt werden kann. Um in Konkurrenz zur irdischen Wirtschaft zu gehen und die eigene Unabhängigkeit zu bewahren, wird diese lunare Industrie mit einem eigenen Finanzsystem gekoppelt, das darauf zielt, der Erdatmosphäre das CO2 zu entziehen. Ein riskantes Unterfangen, das natürlich viele Gegner auf den Plan ruft. Doch im Roman funktioniert es.

James Tighe und seine Crew setzen währenddessen alles daran, unter den gegebenen Voraussetzungen ein Rettungsraumschiff zu bauen, das sie zurück zum Asteroiden bringt. Die Zeit drängt und es gilt viele Rückschläge zu verkraften.

Daniel Suarez unterlegt die Handlung mit so vielen wissenschaftlichen Details und Fakten, dass sich der Roman beinahe liest wie ein Tatsachenbericht. Was die Wirkung auf den Leser, die eigene Haltung in Bezug auf die gegenwärtige Entwicklung zu überdenken, erheblich verstärkt. Wirft man am Ende des Buches einen Blick in die Liste, woher der Autor sein umfassendes Wissen bezog, dann wird schnell klar, dass das, was er in diesem Roman beschreibt, gar nicht so unwahrscheinlich ist. Ob unsere Welt, die reale Welt, wie wir sie kennen, wirklich noch gerettet werden kann, ist eine ganz andere Frage.


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