Posted by: eleucht | 14. Oktober 2024

Genesis Classics im Neuberinhaus Reichenbach

Mir ist nicht bekannt, ob Ray Wilson gewusst hat, auf was er sich einließ, als er 1996 für Phil Collins bei Genesis einstieg. Eigentlich eine Mission impossible, den Mann zu ersetzen, der durch seine Omnipräsenz die Musikwelt gefühlt ein Jahrzehnt dominiert hat. Und hinter Phil Collins ragte auch noch der große Schatten von Peter Gabriel auf, der den Prog Rock im Allgemeinen und Genesis im Besonderen auf seine Weise geprägt hatte. Dieser Schatten war nach seinen Erfolgen als Solist (So) sogar noch größer und mächtiger geworden. Zwei übermächtige Gestalten, hinter denen jeder noch so gute Künstler verblassen würde. Ray Wilson sprach später über sein Engagement bei Genesis von „unüberbrückbaren Klassenunterschieden“. Klar, dass Phil Collins es auch gar nicht gern sah, dass die Band ohne ihn weitermachte.

Ray Wilson hat inzwischen Frieden mit der Vergangenheit geschlossen, was für Fans von Livemusik insofern gut ist, da er die Marke Genesis wieder mit Leben erfüllt und deren Musik in die Gegenwart transportiert. Auf seiner Genesis Classics Tour kam er am vergangenen Samstag auch nach Reichenbach ins Neuberinhaus. Pünktlich um 20.00 Uhr stand er mit Band auf der Bühne, da erklang auch schon das etwas düster anmutende Riff von No Son Of Mine. Mit Congo, aus dem mit Ray Wilson produzierten Genesis-Album Calling All Stations, das sogar ein mittlerer Hit wurde, ging es nahtlos weiter. Es folgte sodann eines meiner Lieblingsstücke aus der Ära mit Phil Collins – That’s All. Aber natürlich war das noch nicht alles. Jetzt ging es erst richtig los mit dem Programm, in dem es Genesis-Stücke aus jeder Ära der Band zu hören gab. Dass Genesis auch Meister der leisen Töne waren, dafür mag zum Beispiel die Ballade Carpet Crawlers aus dem Album The Lamb Lies Down On Broadway stehen. Dazwischen auch immer wieder Stücke aus den Solo-Alben von Peter Gabriel und Phil Collins wie In Your Eyes, Another Day In Paradise oder eine großartige Version von In The Air Tonight, die für Gänsehautfeeling sorgte. Nach der Pause startete die Band mit Calling All Stations in den zweiten Teil der Show. Das Titelstück des Albums, nach dem Tony Banks und Mike Rutherford Genesis auflösten. Das Album erwies sich als weniger erfolgreich als die Vorgänger, vielleicht auch, weil es wieder ein bisschen mehr in Richtung Prog ging.

Als später dann die ersten Akkorde von Peter Gabriels Solsbury Hill erklangen, hielt es niemanden mehr auf dem Sitz, stehend und klatschend feierte das Publikum Ray Wilson und seine perfekt eingespielte Band. Dann war auch schon Schluss. Als Zugabe spendierten die Musiker dem Publikum noch ein langes Bob Dylan- Queen-Medley.

Ein großartiger Abend mit der Musik einer Band, die mehrere Generationen verbindet. Auch das folgende Follow You Follow Me hat im Neuberinhaus nicht gefehlt.


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