Posted by: eleucht | 4. November 2024

Man is in the house

Ich gebe zu, dass ich an die britische Band Man nur noch eine sehr vage Erinnerung hatte. Dunkel erinnere ich mich an den Beat Club mit den unscharfen Schwarz-Weiß-Filmchen, die über selbst gebastelte Westantennen auf die DDR-Fernsehgeräte geholt wurden. Irgendwann sind sie auch mal im Rockpalast aufgetreten. Das war die Zeit, in der Man – neben Pink Floyd – zur Speerspitze der progressiven Musik und der Psychedelic zählten, die Zeit, in der vielen Bands aus dem Underground der Sprung ins Scheinwerferlicht großer Bühnen gelang. Das war’s denn also.

Dabei ging die Geschichte der Band weiter, sie lösten sich irgendwann Ende der Siebziger auf und gründeten sich in den Neunzigern neu. Das lief bei mir alles etwas unter dem Radar.

Als Man nun am vergangenen Freitag im Reichenbacher Bergkeller angekündigt wurden, weckte das in mir erstens die Erinnerung und zweitens die Neugier auf Man.

Im Wohnzimmer des Prog entdeckte ich als erstes einen neuen Gast, der drauf und dran war, den Stars des Abends die Show zu stehlen. Die Katze stolzierte stolz und unbeeindruckt von all den Rockfans durch ihr Revier und holte sich jede Menge Streicheleinheiten. Von mir natürlich auch. Hat jemand etwas anderes erwartet? Rockfans haben eben ein großes Herz. Bevor es dann laut wurde, hat man sie natürlich an einen sicheren und auf jeden Fall leiseren Ort gebracht. Das Foto von ihr ist etwas verhuscht, es war nicht einfach, sie zu fotografieren, da sie ständig in Bewegung war.

Man besteht in der aktuellen Besetzung aus Musikern zweier Generationen. Bassgitarrist und Sänger Martin Ace, der 1970 für Ray Williams in die Band kam, hat Sohn Josh hinzugeholt. Der spielt Gitarre, Fender Piano und sang. Wer auf gute Gitarrenmusik steht, kam während des Konzert auf seine Kosten. Die Stücke waren alle länger als gewöhnliche Popsongs, sie waren ein Trip durch ein Universum voller Rockmusik. Stehenbleiben und den Moment einer Melodie genießen ist nicht drin, der Rhythmus treibt den Hörer unbarmherzig voran, derweil er vom melodischen und harten Spiel der Gitarren wie von Blüten, die sich in farbenfroher Pracht öffnen, umrankt wird. Bis dann ein überraschender Tempo- oder Rhythmuswechsel den Hörer in eine neue musikalische Ebene entführt. Psychedelic. Man jedenfalls haben sich an diesem Freitag wieder eindringlich in meine Erinnerung gespielt. Es war ein bisschen eine Reise in die Vergangenheit, auch wenn man damals, in dieser Vergangenheit, schon gewusst hat, dass diese Art Musik zeitlos ist.

Das Video von Angel Easy stammt noch aus seligen Beat Club Zeiten. Martin Ace war da schon mit dabei.


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