Heute geht es um ein Musikstück, das als Rocksong geschrieben wurde, als Folkballade zum Top-Ten-Hit avancierte, zum deutschen Schlager mutierte und schließlich den Erfolg einer deutschen Punkband begründete.
The Night They Drove Old Dixie Down wurde von Robbie Robertson, dem Mastermind von The Band, geschrieben. Das Stück wurde 1969 zum ersten Mal auf dem The Band betitelten Album veröffentlicht. Zwei Jahre später coverte die Folksängerin Joan Baez das Stück, das den Sezssionskrieg zum Inhalt hat, und stürmte damit die internationalen Charts. Ein Jahr später landete das Lied in der ZDF-Hitparade. Die damals gerade 15jährige Juliane Werding machte daraus den Anti-Drogen-Song Am Tag als Conny Kramer starb. Trotz des melodramatisch klingenden Textes blieb das Stück ein Schlager, konnte dem Ernst des Problems also nicht so ganz gerecht werden. Immerhin aber wurden damit Menschen auf die Drogenproblematik aufmerksam gemacht, die das Thema gewöhnlicherweise gerne verdrängten. 1986 schlug dann eine Punkband aus Hamburg zu. Sie taten mit eben diesem Song ihre Meinung über ein damals sehr bekanntes, erfolgreiches, aber auch nervendes Pop-Duo kund, deren Musik unentwegt aus dem Formatradio säuselte. Bei den Goldenen Zitronen hieß es dann Am Tag als Thomas Anders starb. Ich war damals ganz aus dem Häuschen, als ich das Stück zum ersten Mal hörte und habe es dank Kassettenrekorder rauf und runter gespielt. Der Boulevard-Presse, die sich erwartungsgemäß daran abarbeitete, ist es vornehmlich zu verdanken, dass dieser Song praktisch über Nacht richtig bekannt wurde. (Wenigstens ist mir im Osten die Meinung der Boulevard-Presse dazu erspart geblieben ist.) Aber so ist eben Punk, die negativen Schlagzeilen sorgen für die Popularität. Für die Goldenen Zitronen ein großer Schritt zum Erfolg.
