Es mag schon sehr überraschend klingen, dass in diesen Tagen zwei Kultbands, die die Musik zweier ganzer, aber lange zurückliegender Jahrzehnte geprägt haben, die Welt und vor allem ihre Fans mit neuen Alben erfreuen. Da wären zum einen frisch aus den 60ern die Rolling Stones mit Foreign Tongues, und zum anderen Deep Purple, die wie kaum eine andere Musikgruppe die 70er prägten, mit Splat!. Beide zeigen die in Ehren ergrauten Künstler noch einmal auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskunst. Und sie sind kein bisschen leiser geworden. Im Schatten dieser Kultbands ist dann auch das Flaggschiff des Prog Rock noch einmal in die raue Rocksee gestochen. Yes legen mit Aurora ihr inzwischen 24. Album vor. Das von der Fantasy inspirierte Cover Artwork reiht sich nahtlos ein in die der Spätwerke wie The Quest und Mirror To The Sky. Die Musik von Yes ist auch auf diesem Album weniger experimentell und teilweise sogar wieder sehr zugänglich, sodass der Begriff Art Rock für die Musik aus der Yesworld wahrscheinlich zutreffender ist. Produziert hat das Album wieder Gitarrist Steve Howe, dessen typische teils filigrane, teils verspielte und teilweise auch komplexe Gitarrenarbeit den Sound der Band bestimmt. Dazu liefert Geoff Downes voluminöse Keyboardsounds. Jon Davison findet ohne Probleme die höchsten Töne und klingt einmal mehr wie Jon Anderson höchstpersönlich. Was dem Sound von Yes eine gewisse Kontinuität gibt und auch etwas Einmaliges.
Erstmals seit dem Album Magnification (2001) bedienen sich die Musiker bei zwei Stücken auch wieder eines Sinfonieorchesters, diesmal nicht als Ersatz für fehlende Keyboards, sondern zusätzlich zu diesen. Es spielt das Tschechische National-Sinfonieorchester aus Prag. Dem Titelsong des Albums verleiht der Sound des Orchesters eine großartige Tiefe, Ariadne wird damit zu einem besonderen Juwel des Art Rocks. Dagegen klingt ein Stück wie Turnaround Situation eher schon nach AOR. Zwei Bonustracks gibt es wieder zu hören, wobei der eine, Jambustin‘, klingt, als hätte sich Jeff Lynne ins Studio geschlichen, um Yes den Sound von ELO schmackhaft zu machen. Mit Love Lies Dreaming haben Yes zudem eines der schönsten und fantasievollsten Liebeslieder der letzten Jahre geschrieben. Und das gibt es hier zu hören.
