Die Farbe Schwarz scheint momentan angesagt. Lit. Limbus in schwarz, schwarz ist auch die bevorzugte Farbe der Garderobe, in die sich die vier Herren der Stranglers kleiden. Zumindest bei ihren Auftritten. Die Würger aus dem englischen Guildford melden sich mit dem Album „Giants“ zurück. Auf dem Cover steht ein Mädchen vor einem galgenähnlichen Gerüst, an dem vier Schlingen baumeln. Sie werden nicht lange unbenutzt bleiben.
Die Stranglers hatten – lang ist’s her – für mich das Tor zum Punkrock weit aufgestoßen. Sieh da, dachte ich damals wahrscheinlich, es gibt auch Keyboards im Punk und Musiker, die ihre Instrumente beherrschen und richtige Melodien auf ihnen zustande bringen. Hugh Cornwell, bis 1990 Gitarrist und Sänger der Band, hatte genug Aggressivität für Stücke wie „No More Heroes“, „Something Better Change“ usw. in der Stimme.
Natürlich gehörten die Stranglers nie wirklich zum Punk. Man sortierte sie wohl vor allem wegen ihrer Auftritte in schwarzer Kleidung und der Stripeinlagen in diese Schublade. Für jemand, der sich den Dinos des Rock und des Prog Rock von Genesis, Emerson Lake & Palmer bis Pink Floyd verschrieben hatte, war der Punkrock ein Kulturschock ohnegleichen. Die Stranglers wirkten auf gewisse Weise vermittelnd. Zumindest für mich. Aber da dauerte es auch nicht mehr lange bis „Sandinista“ von den Clash erschien und die bis dahin strengen Grenzen der Genres sprengte. Ein Dreifachalbum von einer der wichtigsten Punkbands! Es mag bezeichnend sein, dass es dann auch eine Punkband wie Green Day war, die die lange verpönte Idee des Konzeptalbums aus dem Nischendasein riss und mit neuem Leben erfüllte.
Die Stranglers hatten großes Potential, was ihnen auch zu kommerziellem Erfolg verhalf, bis sie irgendwann dann allerdings in der musikalischen Belanglosigkeit versanken und sich nur noch selbst kopierten. Mit „Giants“ tauchen sie daraus wieder auf, besser denn je. Und da ist er wieder, dieser treibende Bass von J.J. Burnel, um den sich das – überraschenderweise – Instrumental „Another Camden Attention“ als Opener entwickelt. Man wird unweigerlich gepackt und mitten hinein in die Musik gerissen. Anschließend wird man in „Freedom Is Insane“ von Wellenrauschen und einer balladesken Melodie zum Träumen verführt, aus denen man schon nach wenigen Sekunden von einem rockigen Rhythmus und Burnels Gesang gerissen wird. Man ist angekommen in der düsteren Welt der Stranglers, die sich musikalisch als ausgesprochen vielschichtig erweist, von der Hammerballade „My Fickle Resolve“ bis zum schrägen Tango „Adios“. Wem das spanisch vorkommt, der irrt nicht. Nach der straighten Rocknummer „15 Steps“ wünscht man, dass es so weitergeht, doch an dieser Stelle ist leider Schluss.


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