Verfasst von: eleucht | 24. April 2014

„Falsch“ – Gerd Schilddorfer

Falsch 001Ein Thriller. Früher nannte man das Abenteuerroman, was es auch ausgezeichnet traf. Und natürlich hat man sie gern verschlungen, zu jeder Zeit. Entführen sie uns doch in ferne Länder zu exotischen Schauplätzen, sie lassen uns mitfühlen und mitleiden mit den Helden, die das Schicksal dazu auserkoren hat, sich mit übermächtigen Gegnern anzulegen. Dass bei diesen Gelegenheiten auch ganz gern mal schöne Frauen aus den Händen von Bösewichtern befreit werden, versteht sich von selbst. Manchmal, und das nicht erst seit Lara Craft, stehen sie – die schönen Frauen – auch selbst im Mittelpunkt der Handlung und bestimmen, wo es langgeht. Ein bisschen – manchmal auch ein bisschen mehr – Liebe gehört zum Abenteuerroman dazu.

Der über sechshundert Seiten dicke Wälzer von Gerd Schilddorfer enthält alle diese Zutaten, die einen guten Abenteuerroman – oder eben Thriller – erst schmackhaft machen. Die Geschichte führt den Leser rund um die Welt, vom Urwald im Amazonas bis in die Beschaulichkeit der Schweizer Alpen. Eine bunt zusammengewürfelte Truppe versucht hinter ein Geheimnis zu kommen, das seinen Ursprung in der Nazizeit hat. Die letzten Überlebenden, die ihnen hätten weiterhelfen können, fallen einem Anschlag zum Opfer. So wird die Suche nach Hinweisen zu einem abenteuerlichen Unterfangen, da es Kräfte gibt, die das mit allen Mitteln zu verhindern versuchen. Und die bei der Wahl ihrer Mittel alles andere als zimperlich sind. Ein Ränkespiel beginnt, in dem auch der britische Geheimdienst mitmischt.

Der Autor verknüpft eine Vielzahl von Handlungssträngen zu einer komplexen Geschichte, denen zu folgen dank der ausgezeichneten Erzählweise des Autors sogar großen Spaß macht. Viele Rückblenden führen in die Zeit der Oktoberrevolution in Russland und die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs. Sie schaffen einen direkten Bezug zur Haupthandlung, ohne wirklich allzu viel zu verraten. Die Spannung bleibt erhalten. An aktuellen Bezügen fehlt es auch nicht, als die wahren Schurken erweisen sich die Mitglieder eines – sollte uns das wundern? – Schweizer Bankenkonsortiums. Wenn es um Geld geht, verstehen die Herrschaften keinen Spaß, wenn es sein muss, gehen sie über Leichen. In einem Abenteuerroman eben, in dem sich ihnen glücklicherweise unerschrockene Helden entgegenstellen.

Der Autor hat dem Roman ein Zitat von Vincent van Gogh vorangestellt, das mir sehr gefällt: Die Normalität ist eine gepflasterte Straße; man kann gut darauf gehen – doch es wachsen keine Blumen auf ihr.


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