Verfasst von: eleucht | 19. August 2014

„Heaven & Earth“ – Yes

Heaven and Earth 001„Believe Again“, mit diesem schön strukturierten Stück startet die neue Yes-CD „Heaven & Earth“. Und man möchte gerne glauben, dass die neuen Aufnahmen an die glorreichen Yes-Zeiten anknüpfen. Flirrende Keyboardtexturen und dieses ganz spezielle Gitarrenspiel – das ist unverkennbar Steve Howe. Der Gesang setzt ein, und man fragt sich, ist Jon Anderson in die Band zurückgekehrt? Kein Zweifel, das sind Yes.

Das folgende „The Game“ bemüht sich, das Niveau zu halten. Aber dann steuert das Flaggschiff des Art-Rock in seichtere Gewässer. Ohne den nötigen Tiefgang gerät auch das stolzeste Schiff in Gefahr zu stranden. Diese Befürchtung hält eine Weile an. Der musikalische Trend geht in Richtung Moody Blues. Was nicht unbedingt zum Nachteil gereichen muss. Wenn man nicht gerade Yes heißt. „Heaven & Earth“ ist zumindest in Teilen formatradiotauglich und dürfte auch die Fans von Phil Collins nicht überfordern.

Jon Davison heißt der neue Sänger von Yes, ihm gelingt es mühelos, den Weggang von Jon Anderson vergessen zu machen. Die Band scheint in ihm den perfekten Nachfolger gefunden zu haben, er hat eine ähnlich helle und klare Stimme. Zweifellos war der unverkennbare Gesang von Mr. Esoterik Jon Anderson ein wichtiges Element der Yes-Musik. Das Vorgänger-Album „Fly From Here“ von 2012 wurde mit dem Sänger Benoît David aufgenommen. Der gab zwar nicht den Jon-Anderson-Klon, aber sein Gesang fügte sich großartig ins Yes-Konzept ein, ohne dass man versucht war, Vergleiche zu früheren Aufnahmen zu ziehen. Nun hält also Jon Davison das Mikro in der Hand und klingt wie eine jüngere Ausgabe von Jon Anderson. Im Gegensatz zum neuen Album ist „Fly From Here“ mit dem mehrteiligen Titelstück ein opulentes Art-Rock-Mahl. „Heaven & Earth“ dagegen mutet trotz der einfallsreichen Songideen, die Yes noch immer weit über das Mittelmaß erheben, eher wie Fast Food an. Genießbar auf jeden Fall, aber zurück bleibt das vage Gefühl, dass das eigentlich noch nicht alles gewesen sein konnte.

Immerhin, wenn die CD mit dem neunminütigen Stück „Subway Walls“ ausklingt, kehrt der Glaube an Yes zurück und damit die Gewissheit, dass die Crew des Flaggschiffes, obschon etwas in die Jahre gekommen, wieder auf dem richtigen Kurs ist, unterwegs zu musikalischen Horizonten, die vielleicht nicht neu sind und niemanden mehr überraschen werden, den Hörer aber in bunt schillernde Fantasywelten entführen. Ja, sie verstehen es noch immer, wundersame Geschichten im Breitwandformat zu erzählen.


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