Verfasst von: eleucht | 28. Oktober 2017

„Dolfi und Marilyn“ – François Saintonge

Dolfi und Marilyn 001Allein Titel und Titelbild lassen Irrwitziges vermuten. Im Buch wird’s dann kaum besser. Überdreht und voller Wahnwitz. Adolf Hitler und Marilyn Monroe als Paar. Verrückter geht es kaum. Zeitlich ein Ding der Unmöglichkeit, dass sich diese beiden je hätten begegnen können. Das geschieht später, in einer – vielleicht – nicht so fernen Zukunft, wiedererweckt als Klone.

Aber der Reihe nach. Im Mittelpunkt der turbulenten Handlung steht Tycho Mercier, ein Professor für Geschichte an der Sorbonne, Spezialist für die Geschichte des III. Reiches. Glücklich geschieden, führt er zusammen mit seinem Sohn ein unspektakuläres Leben. Seine einzige Passion ist das Schreiben eines Buches über den Zweiten Weltkrieg. Mit dem beschaulichen Leben ist es jäh vorbei, als Mercier eines schönen Tages nach Hause kommt und seinen Sohn in Gesellschaft eines Klons vorfindet. Den hatte seine Ex in einer Lotterie gewonnen. Da sie keine Verwendung für einen Klon hatte, schenkte sie ihn ungesehen ihrem Sohn.

Die Physiognomie des Klons ist dem Geschichtsprofessor natürlich sehr gut bekannt, sodass er ihn auch ohne das prägnante Bärtchen auf den ersten Blick erkennt. Es handelt sich um A.H. 6 – einen Hitler-Klon aus einer Serie, die natürlich verboten ist und gar nicht „produziert“ werden dürfte. Für Mercier steht fest, dass er den Klon so schnell wie möglich wieder loswerden muss. Was sich allerdings als gar nicht so einfach erweist.

Im Gegensatz zum „Original“ ist dieser Führer-Klon sehr fügsam und sanft, er mäht gehorsam den Rasen oder schneidet die Hecken und für den ebenfalls geschichtsverliebten Sohn Merciers ist er ein guter Spielkamerad.

Die Lage spitzt sich zu, als Merciers Nachbar für längere Zeit ins Krankenhaus muss. Rückkehr ungewiss. Nun schneit dem braven Professor auch noch ein Klon von Marilyn Monroe ins Haus, in den er sich – natürlich, wie könnte es auch anders sein – unsterblich verliebt. Allerdings handelt es sich bei Marilyn um einen nicht registrierten und damit ebenfalls verbotenen Klon aus Südostasien. Was noch mehr Scherereien verspricht.

Mercier, der inzwischen erfahren hat, welches Schicksal diesen „illegalen“ Klonen zuteil wird, schwankt zwischen dem Verantwortungsbewusstsein eines braven Staatsbürgers und moralischen Bedenken, seine Klone dem Tod auszuliefern. Diese Unentschlossenheit hat außerdem den Vorteil, dass er weiterhin die Liebe „seiner“ Marilyn genießen kann.

Bis die Polizei  der Idylle ein jähes Ende bereitet. Den beiden Klonen gelingt jedoch die Flucht.

Für den Geschichtsprofessor scheint die Geschichte damit zu Ende zu sein. Erst Jahre später soll er erfahren, wohin es die beiden verschlagen hat. Ein uralter, durchgeknallter Multimilliardär mit fragwürdigem Geschichtsverständnis baut sich im Schwarzwald sein eigenes kleines „Germania“. Und der Hitler-Klon ist darin die Attraktion. An der Seite von A.H. 6 steht statt Eva Braun nun die ebenfalls blonde Marilyn, die beiden haben eine Tochter namens Geli …

Da gibt es zum Glück aber Kräfte, die alles daran setzen, diesem Spuk ein Ende zu bereiten.

Inmitten dieses Wahnwitzes der turbulenten Handlung tauchen aber immer wieder Fragen nach der moralischen Verantwortung der Menschen für ihr Streben nach Fortschritt und ihre Schöpfung auf. Der Leser verliert nie den ernster Hintergrund dieser humorvollen und ironischen Geschichte aus den Augen.


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