
Die Stern Combo Meißen ist zweifellos eine der bekanntesten und erfolgreichsten Bands im Osten, vor allem aber eine der langlebigsten. In diesem Jahr begeht sie ihr 60 jähriges Jubiläum. Damit existiert die Stern Combo Meißen zwanzig Jahre länger als der Staat, in dem sie einst gegründet worden war. Qualität setzt sich eben durch. Und es ist ja noch längst nicht Schluss. Natürlich gab es in dieser langen Zeit zahlreiche Um- und Neubesetzungen, die Band hat sich im Laufe der Jahre verjüngt. Urgestein Martin Schreier, Perkussionist und Sänger, ist als letztes der Gründungsmitglieder noch an Bord.

Man kann die Stern Combo Meißen in ihrer Entwicklung durchaus mit Genesis vergleichen. Abgesehen von den Anfangsjahren, in denen ein Bläsertrio zur Gruppe gehörte, setzte man Mitte der Siebziger voll auf Prog- und Artrock und benutzte dabei die modernste Technik. Was war man damals begeistert vom Anblick der Unmengen von Synthesizern, E-Pianos und der turmhohen Verstärkeranlagen auf den Bühnen der Republik! Prog Rock made in GDR und at its best. Während einer Tournee mit der Magdeburger Band Klosterbrüder stellten die Musiker – wegweisend in der damaligen Zeit – Quadrophonie vor. Stilistisch orientierte sich die Stern Combo an Emerson Lake & Palmer und King Crimson, der Einfluss der psychedelischen Periode der Temptations (Papa Was a Rolling Stone) war noch lange Zeit zu hören. Adaptierten Emerson Lake & Palmer Modest Mussogskis Bilder einer Ausstellung, so nahm sich die Stern Combo Mussorgskis Die Nacht auf dem kahlen Berg vor.

Mit Beginn der 80er wurde die Stern Combo poppiger, bewahrte aber weiterhin einen hohen Anspruch. So verbindet die Musik der Stern Combo Meißen, wie die von Genesis, mehrere Generationen von Musikliebhabern.

Ein 60 jähriges Jubiläum ist natürlich ein Grund zum Feiern, am besten im Rahmen einer Tournee mit den Fans, die sich am vergangenen Samstag auch im Neuberinhaus Reichenbach einfanden. Schon vom ersten Stück an bekam man den unverkennbaren Sound der Stern Combo zu hören, der bestimmt wird von Synthesizern und auch dem mehrstimmigen Satzgesang. Die alte Magie erwachte sofort zum Leben, auch wenn der Opener, der die Sternscheibe von Nebra zum Inhalt hatte, neueren Datums war. Die unterschiedlichen Generationen des Publikums spiegeln sich auch im Bandgefüge und im Programm wider, man bekam Musik aus allen Epochen zu hören, ein sehr breites Spektrum also und alles andere als Retro. Der zweite Teil nach der Pause wurde dann von den Popsongs bestimmt, da rückte dann auch die Gitarre etwas mehr in den Vordergrund. Dass Martin Schreier mit stehenden Ovationen gefeiert wurde, ist verständlich und mehr als verdient. Eine Nacht, einst mit IC Falkenberg eingespielt und einer der größten Hits des Stern Combo, beendete diesen großartigen Abend, der viele gute Erinnerungen weckte.

Das Stück Der weite Weg, einer der Klassiker, steht wie kein anderes für das Jubiläum dieser einmaligen Band. Das Video, das in der Katharinenkirche Stendal entstand, ist nun auch schon zehn Jahre alt und wurde im Rahmen des 50 jährigen Jubiläums aufgenommen.
