
Am Vorabend der Bundestagswahl ging es noch einmal ins oberfränkische Hof. Dort war in der Michaeliskirche (das ist die evangelische Kirche in Hof) ein Pop-up Benefizkonzert angekündigt. Noch einmal so etwas wie Gemeinschaft und Gemeinsamkeit trotz aller Unterschiede erleben, noch einmal sehen, wie vielen Menschen die derzeitige Entwicklung nicht kalt lässt. Konfessionsübergreifend, parteiübergreifend, Menschen jeden Alters und jeden Standes, Inklusion auch bei den auftretenden Künstlern inbegriffen.

Jenseits der ehemaligen Zonengrenze herrscht in den letzten Wochen eine seltsame Ruhe. Auch von Wahlkampf ist hier wenig zu sehen, abgesehen von den Konterfeis der Kandidaten, die einem von den Laternenmasten herab das Blaue vom Himmel versprechen. Es scheint, als wären die Messen im Osten gelesen. Vielleicht sind sie das ja. Die Spaltung ist tief, scheint unüberbrückbar.
Umso mehr tut es gut und macht Mut, dass es auch anders geht. Künstler und Künstlerinnen aus und um Hof haben sich bereit erklärt, am Benefizkonzert in der fast vollen Kirche teilzunehmen. Posaunen, Gitarren und Chöre gab es zu hören und zum Schluss auch die Orgel. Hier stimmt der junge Musiker Jeroen Sigl noch seine Gitarre, wenig später wird er zusammen mit seiner Partnerin Jule Wiertelorz im Mittelgang der Kirche auftreten.

Es ist wahrscheinlich nicht alltäglich, dass man innerhalb der Kirchenmauern das Wort Demokratie so oft hört. Der Kampf um eben diese wird gerade auf vielfältige Weise geführt, auf der Straße, in und an Theatern, in den Kirchen. Es wird klar, dass diese Demokratie, die für uns viele Jahre eine Selbstverständlichkeit war, auf einmal in Gefahr ist. Ohne Zusammenhalt werden es auch Menschenwürde und Nächstenliebe verdammt schwer haben.

Die Spenden des Benefizkonzertes gehen an demokratiefördernde Projekte im Raum Hof.

