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Verfolgt man die Nachrichten, die jeden Tag in die Timeline von Google oder anderer Portale gespült werden, dann fühlt sich das an wie Doomscrolling. Obwohl man das eigentlich gar nicht möchte. Wo sind die guten Nachrichten? Ach ja, Clickbaits füttern die allgemein verbreitete Empörungssucht und Klicks versprechen Geld. So funktioniert die Nachrichtenwelt im Internetzeitalter nun mal. In Social Media wie YouTube, X und dergleichen ist Clickbait eher noch weiter verbreitet und wird durch die Algorithmen noch gefördert, sodass diese als seriöse Nachrichtenquellen nicht wirklich etwas taugen. Eher erfährt man da etwas über die Befindlichkeiten reichweitenstarker Influencer. Welche Relevanz die für den Einzelnen haben, muss jeder für sich selbst entscheiden. Offenbar bedeuten sie vielen sehr viel.
Immerhin hat Sarah Bosetti in ihrem Buch „Make Democracy Great Again“ ein Kapitel den „guten Nachrichten“ gewidmet. Eine kleine Utopie gegen die gegenwärtig aufblühende Dystopie. Aber schön wär’s schon, Nachrichten zu lesen, in denen zum Beispiel Markus Söder seinen Rücktritt erklärt und darauf hinweist, dass es sich dabei keinesfalls um einen seiner vielen Meinungswechsel handelt oder dass Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer zu einer Demo für die Rettung des Weltklimas aufrufen oder dass Wladimir Putin auf Grund seiner Freundschaft zu Gerhard Schröder verkündet, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Auf solche erfreulichen Neuigkeiten wird man höchstwahrscheinlich vergeblich warten. Aber träumen darf man schon, oder? Gerade in Zeiten, in denen das Schicksal der Welt in den Händen einiger weniger seniler alter Männer liegt, die möglicherweise dement, auf jeden Fall aber narzisstisch veranlagt sind, dürfen die Träume von besseren und friedlicheren Zeiten nicht sterben. In jedem Einzelnen von uns. Man muss sich nur mal wieder in Erinnerung rufen, dass wir doch eigentlich verdammt viele sind. Und dass deswegen einigen wenigen daran gelegen ist, diese verdammt vielen zu spalten.
Sarah Bosetti thematisiert in ihrem Buch den Zustand der Welt im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen, und trotz der angenehm lockeren Sprache verändert sich natürlich nichts am Blick auf die Welt im Allgemeinen und auf Deutschland im Besonderen. Es ändert sich der Blickwinkel, und allein der Ton, in dem das Buch geschrieben ist, schafft erstens etwas Distanz und lässt zweitens das zarte Pflänzchen Hoffnung etwas aufblühen. Es ist noch nicht zu spät, etwas zu ändern, zum Positiven. Lügen, so heißt es im ersten Kapitel im Zusammenhang mit einem Zitat von Hannah Arendt, werden nicht in die Welt gesetzt, um geglaubt zu werden, sondern um Orientierungslosigkeit zu schaffen. Das spannt dann auch einen großen Bogen über Friedrich Merz, Alexander Dobrindt, Christian Lindner, die Klimakleber, die Meinungsfreiheit und unserer eigenen Einstellung zu all diesen Dingen zum Ende des Buches, in dem Sarah Bosetti uns rät, nicht immer denen Aufmerksamkeit zu schenken, die ständig empathielosen Müll raushauen, sondern sich lieber mit Leuten zu beschäftigen, die sich für andere Menschen einsetzen. Dem kann man kaum viel hinzufügen.
