Bald ist’s ja wieder soweit, der Weltuntergang steht unmittelbar bevor. Irgendwann müssten wir ja mal ein Jubiläum feiern und auf den, zum Beispiel, hundertsten Weltuntergang anstoßen können. Diesmal sind die alten Mayas schuld, weil die bei ihrem Kalender nach dem 21.Dezember 2012 nicht weiterzählen wollten.
Der Weltuntergang fällt diesmal recht günstig, kurz vor Weihnachten bricht er über uns herein. Da kann man sich den ganzen Einkaufsstress in der Vorweihnachtszeit und dazu noch eine ganze Menge Geld sparen. Man möchte ja schließlich nicht wie der allerletzte Depp dastehen, wenn die Welt untergeht und man auf einem Haufen unnützer Weihnachtsgeschenke sitzt (ist ja eh so gut wie nie etwas Brauchbares dabei), aber keine Mäuse mehr auf dem Konto hat. Denn eins sollte jedermann klar sein, wenn alles untergeht, die Banken jedenfalls nicht. Die werden, koste es, was es wolle, auf jeden Fall gerettet. Man solle bloß nicht glauben, dass es den Weltuntergang zum Nulltarif gibt. Das muss alles solide finanziert werden. Und wer könnte das besser, als … Genau.
Überhaupt, private Vorsorge ist auch in diesem Fall besonders wichtig. Ich habe schnell noch eine Weltuntergangsversicherung abgeschlossen. Sicher ist sicher, vor allem dann, wenn nichts sicher ist. Nur ich bin mir im Augenblick gar nicht sicher, wofür diese Versicherung überhaupt gut ist, versichert sie mich vor den Folgen des Weltuntergangs oder vor Schäden und Nachteilen, wenn das Ereignis wider aller Erwartungen gar nicht eintritt? Ich hätte mir vielleicht vor dem Abschluss das Kleingedruckte genauer durchlesen sollen. Aber wer denkt angesichts derart großer globaler Ereignisse an Kleingedrucktes? Das wäre wirklich kleinkariert. Den Versicherungsvertreter kann ich jedenfalls nicht mehr fragen, der befindet sich, wie ich höre, auf einer Lustreise nach Ungarn. Hat er sich redlich verdient. Der lässt es, bevor alles den Bach runtergeht, noch mal richtig krachen.
Wichtig ist es, finde ich, möglichst viel über das große Ereignis in Blogs und dergleichen zu schreiben, damit spätere Zivilisationen, wie immer die auch aussehen mögen, gleich wissen, was mit unserer Welt passiert ist, wenn sie Spuren von uns finden. Während unsere Spezies jahrelang rätselte, was die Ursache für das Aussterben ihrer Vorgänger, der Dinosaurier, war, wird man auf diese Weise, selbst wenn von all diesen Nachrichten nur Fragmente übrig bleiben, sofort wissen, dass wir einem Weltuntergang zum Opfer gefallen sind.
Schade finde ich nur, dass zum Weltuntergang keine größeren Events geplant sind, auf denen man ihn gemeinsam mit anderen Schicksalsgefährten erleben kann, zum Beispiel rund um die Siegessäule in Berlin oder auf dem Times Square in New York, dem Roten Platz in Moskau oder dem Marktplatz in Castrop-Rauxel. Oder im ZDF mit Markus Lanz, „Wetten dass …“
„… sie untergeht“ zum Beispiel als große Außenwette. Die würde für ein bisschen Extranervenkitzel sorgen. Das wär’s doch, auf riesigen Videoleinwänden erleben wir den Weltuntergang im Public Viewing als großes Gemeinschaftserlebnis. Das wäre dem Ereignis angemessen, oder nicht?
Auf jeden Fall kann ich mir diesmal alle Glückwünsche und Grüße zum Neuen Jahr sparen. Die Horoskope für 2013 sind auch nur Makulatur.
In diesem Sinne, Happy Weltuntergang.

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