Verfasst von: eleucht | 27. Juni 2018

„Tod in Breslau“ – Marek Krajewski

Die Bücher, über die ich schreibe oder die ich rezensiere, wurden von mir gekauft. Es gibt keinerlei geschäftliche oder anders geartete Beziehungen zu den Verlagen, Verlagsgesellschaften oder Autoren. Tod in Breslau 001Diesen Kriminalroman wird es wahrscheinlich nur noch im gut sortierten Antiquariat geben. Aber was soll‘s? Auch da gibt es manch Lesenswertes zu entdecken.

Marek Krajewski zählt zu den renommiertesten Krimiautoren Polens. Mit Eberhard Mock hat er eine Figur geschaffen, die alles andere als positiv besetzt ist und die in mehreren Romanen in vielerlei Funktion in Erscheinung tritt, als Kriminalkommissar und Direktor der Kriminalpolizei in Breslau, als Mitarbeiter der Abwehr und nicht zuletzt am Ende des vorliegenden Buches auch als Stasioffizier. Was darauf schließen lässt, dass Mock vor allem an sich selbst und seine eigene Karriere denkt.

Breslau in den Jahren 1933/34. In Deutschland sind die Nazis an die Macht gekommen. Auch die Institutionen in Breslau werden mehr und mehr von Gestapo und SS durchsetzt. Als in einem Zug die auf bestialische Weise ermordete Baronesse Marietta von der Malten gefunden wird und viele Indizien auf einen Ritualmord hindeuten, kann die Gestapo bald schon einen sechzigjährigen jüdischen Händler als Täter präsentieren. Das nützt vor allem der völkischen Propaganda. Auch wenn Eberhard Mock sich dessen bewusst ist, behält er seine Zweifel für sich und unternimmt nichts, um den Fall weiterzuverfolgen. Die Nazis sind bereits viel zu mächtig geworden. Das wiederum nützt seiner Karriere, er wird zum Direktor der Kriminalpolizei in Breslau befördert.

Derweil sorgt der Vater der Ermordeten, Baron von der Malten, dafür, dass ein Beamter aus Berlin, ein gewisser Herbert Anwaldt, in seinem Auftrag weiter nach dem Mörder sucht. Unter den gegebenen Umständen kann er das nur auf eigene Faust tun, aber tatkräftig unterstützt von Kriminaldirektor Eberhard Mock.

Ihre Recherche führt die beiden weit zurück in die Geschichte der Kreuzzüge. Und Herbert Anwaldt wird mehr und mehr mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Er beginnt zu begreifen, dass es kein Zufall gewesen konnte, dass der Baron ausgerechnet ihn auf den Fall ansetzte.

Einer, der aber alle Fäden in der Hand hält und diese auch zu seinem eigenen Vorteil zu ziehen weiß, ist Eberhard Mock. Es gilt, in der Zeit der Nazidiktatur Spuren seiner eigenen Vergangenheit als Freimaurer zu verwischen … Und da kommt ihm der Polizist Anwaldt aus Berlin gerade recht – den er mit all seinen Maßnahmen gleichzeitig das Leben zu retten versteht.

Marek Krajewski bedient sich in seinen Romanen einer sehr bildhaften, drastischen Sprache, die tief in die Abgründe der menschlichen Seele eindringt. Die ungeschönten realistischen Beschreibungen der Welt und der Menschen erinnern in ihren besten Momenten an Chandler oder Hammett.


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