Verfasst von: eleucht | 11. Februar 2020

BLOND in Chemnitz

Da ich in diesem Beitrag u.a. den Markennamen einer Fernsehshow und einer Zeitschrift verwende, muss es sich nach der DSGVO wohl um Werbung handeln. Oder? Was für ein …

Sachsen bestand in den Zeiten des real existierenden Sozialismus aus den Bezirken Leipzig, Dresden und Karl-Marx-Stadt und hatte für Pop- und Rockfans die größte Dichte an ausgesprochen guten und überregional erfolgreichen Musikgruppen und Interpreten. Viele Künstler waren darunter, die musikalisch neue Wege zu gehen versuchten oder die Staatsmacht herausforderten. Die meisten von ihnen kamen aus Leipzig und Dresden. Stellvertretend seien genannt Renft, die Bürkholz Formation, Lift, Electra und nicht zuletzt die Stern Combo aus Meißen. Chemnitz war damals eher Musikprovinz. Vielleicht lag es auch daran, dass die Ankündigung die „Gruppe XYZ aus Karl-Marx-Stadt“ nicht gerade cool klang. Das hätte sich eher nach einer FDJ-Singegruppe angehört.

Klar, die Puhdys, die auch über die Grenzen der Republik bekannt wurden, kamen aus Berlin. Aber mit denen verhält es sich ungefähr so wie mit dem Berliner Fußballclub BFC Dynamo – das war der Lieblingsverein von Stasi-Chef Mielke und deswegen auch meist der Spitzenreiter der DDR-Oberliga. Dass die Modern Soul Band und die großartige Uschi Brüning, die 30 Jahre nach dem Mauerfall endlich auch vom ROLLING STONE entdeckt wurde, ebenfalls zur Berliner Szene gehörten, entschädigt etwas dafür. Pankow, City und Silly kamen erst später dazu.

Heute sieht es im sächsischen Rockmilieu etwas anders aus. Die „Provinz“ holt auf. Silbermond zum Beispiel kommen aus Bautzen. Eine der derzeit erfolgreichsten deutschen Bands kommt aber aus – richtig, Chemnitz. Die Band mit dem großen K, die auch schon mal mit der Vergangenheit der Stadt, als sie noch Karl-Marx-Stadt hieß, kokettiert. Gemeint ist natürlich Kraftklub. Und da Kraftklub-Mastermind Felix Kummer zwei musikalisch veranlagte Schwestern hat, wird Kraftklub vielleicht bald nicht mehr allein Chemnitz repräsentieren. So denn der Erfolg für die Kummer-Schwestern Lotta und Nina nicht ausbleibt. Die beiden nennen sich BLOND.

Auch wenn das Video zu ihrem Song „Book“ aussieht wie eine verunglückte Bewerbung für Deutschland sucht den Superstar, so kann man davon ausgehen, dass das Absicht ist. Denn der abgründige Humor und die Unkonventionalität ihrer Auftritte und Videos gehören zur Gruppen-DNA. Der Typ im Video, dessen Tanzschritte etwas unbeholfen wirken, gehört übrigens zur Band. Das ist der blinde Multiinstrumentalist Johann Bonitz.


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