Posted by: eleucht | 3. Januar 2024

Dumm oder gefährlich – Die Kunst der Demagogie

BSW – find’ ich gut.

Nein, es ist nicht das neue Bündnis von Sahra Wagenknecht gemeint, das ich gut finde, sondern das BahnSozialWerk, eine Stiftung der Deutschen Bahn und des Eisenbahnbundesvermögens, das seit vielen Jahren schon aktive und ehemalige Eisenbahner unterstützt. Wagenknechts Bündnis, das demnächst die deutsche Parteienlandschaft aufmischen möchte, gibt es ja bekanntermaßen erst seit kurzer Zeit. Wie sozial es sein wird, wird sich noch erweisen. Zweifel darf man durchaus haben.

Sahra Wagenknecht ist jene Politikerin, die die derzeitige Regierung als die dümmste aller Zeiten und die Grünen als gefährlichste Partei bezeichnet hat. Worte einer Politikerin, die vor zwei Jahren angesichts des massiven russischen Truppenaufmarsches an der Grenze zur Ukraine im Brustton der Überzeugung erklärt, „dass Putin zum Glück nicht der durchgeknallte Machthaber ist, wie er vom Westen dargestellt wird, der berauscht ist von der Vorstellung, Grenzen zu verschieben“. Von besonderer politischer Klugheit zeugen diese Worte jedenfalls nicht. „Russland“, so Wagenknecht bei Anne Will kurz vor Beginn des Krieges, „habe praktisch gar kein Interesse daran, einzumarschieren. Dieser Angriff werde nur von der amerikanischen Seite herbeigeredet.“ Aha!

Irgendwie erinnern mich diese Worte fatal an einen anderen kommunistischen Vorkämpfer für Frieden und Freiheit, der noch zwei Monate vor dem 13. August 1963 vor der versammelten Presse mit Unschuldsmiene den legendären Satz „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“ gesagt hat.

Gut ist mir auch noch in Erinnerung, wie Wagenknecht bei Markus Lanz, als der Krieg in der Ukraine bereits in vollem Gange war, sinngemäß sagte, „dass Putin diesen Angriff längst bereut hätte“, als hätte es die Kriegsverbrechen wie in Butscha und den Terror gegen die Zivilbevölkerung nie gegeben. Wagenknecht hat mit ihrem verbindlichen Lächeln den Aggressor verniedlicht, das arme kleine Hascherl. Da könnte dem einen oder anderen vor lauter Mitleid mit dem bedauernswerten Wladimir Wladimirowitsch wohl ein Tränchen über die Wangen gekullert sein. Ich bin sicher, das Einzige was Putin bereut hat, ist die Tatsache, dass es nach einer Woche Krieg keine russische Siegesparade in Kiew gab.

Wagenknecht scheint neuerdings gerne Superlative zu verwenden, wenn sie von der dümmsten Regierung und der gefährlichsten Partei spricht. An wen erinnert mich das? Ach ja, an Donald Trump, den Meister der Superlative. Der nutzt diese plumpe, um nicht zu sagen primitive Sprache, die an die niederen Instinkte appelliert, ja auch sehr gerne in seinen Reden. Sie sind wahrscheinlich nötig, um eine gewisse Klientel überhaupt noch erreichen zu können.

Sahra Wagenknecht nach den oben genannten Aussagen zu unterstellen, sie wäre dumm, ist natürlich falsch, vor allem wenn man sich in Erinnerung ruft, welch einer geschliffenen Sprache sie sich in anderen Fällen zu bedienen weiß. Ob ihr klargeworden ist, dass sie ein bestimmtes Niveau unterschreiten muss (wie es auch eine Partei vom entgegensetzten politischen Spektrum tut), um wahrgenommen zu werden?

Natürlich möchte Sahra Wagenknecht auch gerne wieder Gas, billiges Gas, wie sie sagt, aus Russland importieren. Russland wäre stets ein zuverlässiger Partner in Sachen Gas gewesen. Wer sich noch daran erinnert, wie die Sache mit dem Gas vor zwei Jahren ablief – Stichwort Turbine –, wie Russland den Gasdurchlauf immer weiter reduzierte und schließlich ganz einstellte, wird das mit Sicherheit anders sehen. Putin spielte ganz bewusst mit der Angst der Deutschen vor dem darauffolgenden Winter. Osteuropäische Länder und zumindest Teile der Grünen haben jahrelang davor gewarnt, dass Russland Gas als Waffe einsetzen wird. Und genau das ist geschehen. Das kollektive Gedächtnis vergisst manchmal viel zu schnell. Will man sich jetzt wirklich sehenden Augen erneut in eine Abhängigkeit von russischem Gas begeben?

Putin hat eine Fürsprecherin für seine Politik in Deutschland. Was die tut, ist alles andere als dumm, ich würde es als gefährlich bezeichnen.

Ich gebe zu, es ist eine große Kunst, Leute für dumm zu verkaufen und sie dabei gleichzeitig in dem Glauben zu belassen, sie wüssten mehr als alle anderen. Aber es funktioniert, wie man sieht. Und es gibt überall Politiker, die beherrschen diese Kunst meisterhaft.

Mit Blick auf das neue Jahr nicht die besten Aussichten.


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