Posted by: eleucht | 4. März 2024

Auf den Straßen von Auerbach

Für vergangenen Samstag war eine Kundgebung für Demokratie, Weltoffenheit und Toleranz in der vogtländischen Göltzschtalstadt Auerbach angemeldet. Organisator war der Filmemacher Matthias Ditscherlein aus dem benachbarten Rodewisch. Er sprach sicher vielen aus dem Herzen, als er berichtete, wie er sich dazu entschlossen hatte, etwas gegen die Verrohung in der Gesellschaft und den damit verbundenen Rechtsruck zu unternehmen. Er wollte Verantwortung übernehmen und auch vorangehen. Was ihm mit dieser ersten Kundgebung ausgezeichnet gelungen ist.

Auerbach, das schöne Städtchen an der Göltzsch, ist durchaus ein heißes Pflaster. Mehrmals wurde bereits das Parteibüro der Grünen angegriffen, es wurden Scheiben eingeschmissen. Unter diesem Vorzeichen mochte die Anmeldung einer Gegendemo von den Montagsspaziergängern der Querdenker eine halbe Stunde vor der angemeldeten Demokratiekundgebung an gleicher Stelle zumindest für nachdenkliche Gedanken sorgen.

Letztlich aber wurde die Gegendemo an einen anderen Ort verlegt und zum Schluss ganz abgesagt. Es hätte sich wohl nur ein erbärmliches Häuflein von Demonstranten eingefunden, das man selbst mit dem angemeldeten Traktorkorso nicht hätte aufwerten können. Der Slogan „Wir sind mehr“ hat also auch in einer Kleinstadt in der Provinz Gültigkeit.

An der Demo für Demokratie, Weltoffenheit und Toleranz waren diesmal alle Parteien des demokratischen Spektrums vertreten, von den Linken über die Grünen bis zu SPD, CDU und FDP. Letztere durch eine 23-jährige Sprecherin der FDP-Jugendorganisation. Diesen Schulterschluss finde ich wichtig und gut, zeigt man damit doch deutlich, dass sich die Menschen trotz aller Unterschiede in der politischen Einstellung nicht spalten lassen wollen. Im Bild unten der Landtagsabgeordnete Sören Voigt von der CDU.

Um das Geviert des Neumarktes hatten sich Rechte eingefunden, die filmten, was vorging. Vielleicht Versprengte der Gegendemo. Der Frust, dass ihre groß angekündigte Demo nicht mehr Zulauf hatte, muss tief gesessen haben, während der Rede der Bundestagsabgeordneten Yvonne Magwas, die hier aus der Region stammt und auch Bundestagsvizepräsidentin ist, explodierte in unmittelbarer Nähe zum Versammlungsort ein nicht gerade kleiner Böller. Und das ungeachtet der Tatsache, dass sich auf der Kundgebung viele Familien mit kleinen Kindern befanden. Das sollte wohl als Beispiel für die familienfreundliche Politik der AfD und ihrer Anhänger stehen. Lauter als die Detonation waren dann nur noch die Sprechchöre „Nazis raus!“ Im Bild unten Yvonne Magwas.

Die Kundgebung selbst war in jeder Hinsicht positiv aufgezogen, sie sollte Optimismus vermitteln. Davon brauchen wir in dieser Zeit wirklich mehr. Die Demo startete mit Musik, später gab es eine Tanzaufführung von Patricia Schramm, die Goldmedaillengewinnerin im Tanzsport der 1. Special Olympics ist. Ein gutes Beispiel für gelungene Inklusion und die Arbeit der Auerbacher Diakonie.

Richtig finde ich, dass sich neben Politikern auch immer wieder Unternehmer aus der Region zu Wort melden und auf ihre Probleme und Sorgen aufmerksam machen. Gut, wenn dann auch Politiker zur Stelle sind und zuhören können. Vielen Unternehmern ist durchaus bewusst, was auf sie und die Menschen zukommt, wenn die Vorstellungen der AfD Wirklichkeit werden sollten, vor allem wenn es sich um international agierende Unternehmen handelt Die Welt blickt durchaus auf Deutschland und auch auf unsere Region. Das Vogtland soll weltoffen bleiben.


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