Am 30. Januar ist eine der aufregendsten und ausdrucksstärksten Stimmen der Pop- und Rockgeschichte für immer verstummt – Marianne Faithfull. Die meist nur auf ihre Affäre mit Mick Jagger und den von Jagger und Richards geschriebenen Hit As Tears Goes By reduziert wird. Dabei war Marianne Faithfull nicht nur Sängerin und schon gar nicht nur das leicht beeinflussbare Blondchen, das manche Plattenbosse in ihr zu sehen beliebten, sie war ein Künstlerin mit vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten, die vor allem eins tat, selbstbestimmt durchs Leben zu gehen. Und dieses Leben war ein endloses Auf und Ab, das Stoff für einen mehrteiligen Film bieten würde. Sie ist aufgewachsen mit Brecht und Weill und sie konnte die Klassiker ihr ganzes Leben lang zitieren, was sie auf Alben und Konzerten auch stets bewiesen hat. Sie war begeistert von Keats, William S. Burroughs, Byron und Shelley. Sie landete wegen ihrer Drogensucht auf der Straße und war eine Weile obdachlos. Mit Broken English und The Ballad of Lucy Jordan gelang ihr ein grandioses Comeback, später sang sie u.a. ein Duett mit Nick Cave (The Gypsy Faery Queen). Auch als Schauspielerin war sie äußerst erfolgreich, sowohl auf der Bühne als auch im Film. Sie spielte glaubhaft Shakespeare (u.a. die Ophelia in Hamlet) und in Filmen unterschiedlicher Genres zum Beispiel auch an der Seite von Alain Delon.
Gezeichnet war Marianne Faithfull auch von einer Menge Krankheiten, vielen Brüchen (die sie sich zum Teil während ihrer Drogensucht zugezogen hatte), Brustkrebs und Hepatitis C. Aber nichts und niemand hat sie in die Knie gezwungen. Während der Aufnahmen zum letzten Album hatte sie eine schwere Covid-Erkrankung überstanden, die sie beinahe die Stimme gekostet hat.
So gibt es denn hier Marianne Faithfulls Version des von Bertolt Brecht und Kurt Weill geschriebenen Alabama Songs.
