… in den Reichenbacher Bergkeller. So hätte der Titel heute lauten können, aber der würde es im Falle von Corky Laing, der am vergangenen Freitag im Bergkeller angesagt war, nicht ganz treffen. Aber zu dieser Geschichte komme ich, bzw. kommt Corky Laing selbst, an anderer Stelle. Tatsache war, es ging an diesem Abend wieder direkt in die von Gitarren dominierten 70er Jahre. Schon die Vorband, Johnny Nasty Boots, sorgte für die entsprechende Stimmung. Das Trio bot puren Breitwandrock, der seine Wurzeln im Blues hat und und den Geist der seligen Cream in die Neuzeit transferierte. Der Gitarrist und Frontmann agierte wie eine Mischung aus Marc Bolan und Slash und bewies vor allem, dass er ein Meister auf seinem Instrument ist. Wenn diese noch recht jungen Musiker die Zukunft des Rock’n’Roll sind, braucht einem um handgemachte Rockmusik nicht Angst werden.

Die großen Zeiten von Mountain liegen dagegen schon eine Weile zurück, obwohl man an diesem Freitagabend hören konnte, dass ihr kompromissloser, variabler Rock einfach zeitlos und vom Feinsten ist. Schlagzeuger Corky Laing ist der letzte Überlebende der Kultband. Und wenn man ihn bei der Arbeit an seinen Drums sieht, dann kann man einfach nicht glauben, dass er schon 77 Jahre alt ist. Er steht natürlich im Mittelpunkt der Show, und das zu Recht. Er trommelt nicht nur, er singt auch viele Stücke selbst und übernimmt die Moderation. Darin beweist er sich als Entertainer par excellence. Man sieht ihm die Spielfreude deutlich an, vor allem auch, wenn mit seinem einnehmenden Charly-Sheen-Lächeln mit dem Publikum kommuniziert. Zu jedem Musikstück gibt er interessante oder launige Anekdoten zum Besten. Und damit komme ich zu Woodstock. Zwar trat die Band Mountain dort auf, doch ohne Corky Laing selbst. Trotzdem ist er auf dem Woodstock-Album zu hören. Während der Produktion des Albums fiel auf, dass in einigen Fällen die Mikrofone der Drums ausgefallen waren. Also bat man Corky Laing, der gerade mehr oder weniger zufällig dort vorbeikam, ins Studio, um die Aufnahmen nachträglich zu bearbeiten. Dabei handelte es sich um die Klassiker Going Home von Ten Years After und Yager’s Farm von Mountain. Mit großem Vergnügen berichtet Laing dann schmunzelnd, dass er später für diese beiden Aufnahmen zwei goldenen Schallplatten bekommen hat. Ohne auch nur in der Nähe von Woodstock gewesen zu sein.





Es gab natürlich die Klassiker von Mountain zu hören, Mississippi Queen, Nantucket Sleighride, Theme from an Imaginary Western und mein Lieblingsstück Don’t Look Around, um nur einige zu nennen. Auch Going Home von Ten Years After musste sein, klar. Und wer würde es wohl sonst wagen, Bob Dylans Like a Rolling Stone nur mit Gesang und Schlagzeug zu interpretieren?

Ich fürchte, dieses Konzert wird nicht so schnell zu toppen sein. Mit dem folgenden Stück Never in my Life hat das Spektakel übrigens begonnen. Als ich vor vielen Jahren, in einer längst vergangenen Zeit, im Westfernsehen zum ersten Mal Mountain im Beat-Club gesehen hatte, hätte ich mir im Leben auch nicht vorstellen können, die eines Tages, wenn auch in einer etwas anderen Besetzung, mal live erleben zu können.
