Posted by: eleucht | 12. Juni 2025

„Zu Besuch am rechten Rand“ – Sally Lisa Starken


Die Bücher, über die ich schreibe oder die ich rezensiere, wurden von mir gekauft. Es gibt keinerlei geschäftliche oder anders geartete Beziehungen zu den Verlagen, Verlagsgesellschaften oder Autoren.

Vielen Dank an dieser Stelle an Annuschkas Northern Star, die in ihrem Blog https://annuschkasnorthernstar.blog/ stets großartige Bücher vorstellt, darunter auch interessante Sachbücher wie dieses.

Sally Lisa Starken ist für ihr Buch auf eine Reise gegangen, die, wie der Titel vermuten lässt, nicht ganz ungefährlich anmutet. Ihr Ziel war es, mit Menschen zu sprechen, die die AfD wählen, um herauszufinden, aus welchen Gründe sie das tun. Es ist nicht verwunderlich, dass sie dabei sehr unterschiedliche Geschichten von ganz unterschiedlichen Menschen zu hören bekommt. Das werden vor allem die kennen, die in Regionen leben, in denen diese Partei bereits tief verwurzelt ist. Denn eins ist klar, DEN AfD-Wähler gibt es nicht. Und es ist auch keineswegs nur ein Ostproblem.

Zwischen den einzelnen Geschichten beschreibt die Autorin auch die Strukturen der AfD und zeigt, mit welchen Methoden es ihnen gelingt, Menschen zu ködern und sie schließlich an sich zu binden. Den Sozialen Medien kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Wie einst Goebbels die moderne Technik – das Radio – zu nutzen wusste, um seine Propaganda unters Volk zu bringen, so hat die Rechte sehr schnell erkannt, welche Möglichkeiten sich ihnen mit Social Media eröffnen. Vor allem in der Weise, dass sich die Empörungskultur mit einfachen Mitteln triggern lässt, um sie ständig auf einem hohen Level zu halten. Gleichzeitig besetzen rechte Parteien wie auch die AfD Räume in der Gesellschaft, die vom Staat und den demokratischen Kräften aufgegeben worden sind, aus welchen Gründen auch immer. Meist sind es finanzielle. Es werden Mechanismen aufgezeigt, wie offensichtliche Lügen aufbereitet werden, damit sie verfangen und sich im gesellschaftlichen Bewusstsein verfestigen. Danach ist es so gut wie unmöglich, mit Fakten dagegenzuhalten. Gegen die gesteuerte Emotionalisierung der Politik hat die Rationalität in bestimmten Kreisen – und es sind keineswegs nur prekäre – kaum noch eine Chance.

Vieles, was man in diesem Buch liest, ist gar nicht mal so neu, ganz einfach deswegen, weil man bereits vieles davon selbst gehört oder gar erlebt hat, oftmals auch im Kreis der eigenen Freunde oder Verwandten. Wer sich einmal in den Echoräumen der sozialen Medien radikalisiert hat, wird nur schwer wieder einen Weg zurückfinden, vor allem auch deshalb, weil Vertreter dieser Partei die Grenzen des Sagbaren immer weiter verschieben und damit menschenfeindliche und rassistische Ansichten über den Weg der Normalisierung in die Mitte der Gesellschaft tragen.

Eine wichtige Erkenntnis in diesem Buch soll nicht unerwähnt bleiben, die Brandmauer, die demokratische Parteien gegen die AfD errichten, braucht durchaus eine Öffnung, und zwar damit die, die erkennen, dass sie sich auf einem Irrweg befinden, eine Chance zur Rückkehr haben.


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