
Wenn vor einiger Zeit, man kann da durchaus von Jahren sprechen, jemand gesagt hätte, dass es ein neues Album von Atomic Rooster geben und die Band damit auf Tournee gehen würde, dann hätte das in etwa so realistisch geklungen wie eine Beatles-Reunion. Aber Steve Bolton, seines Zeichens Gitarrist von Atomic Rooster, bezeichnet sich selbst gern mal als Living Miracle. So wurde das Wunder denn wahr. Das letzte reguläre Atomic-Rooster-Album dürfte wohl Jahrzehnte zurückliegen. Die letzten Alben waren vor allem Best-Of-Zusammenstellungen und Live-Alben. Natürlich kamen Atomic Rooster auch ins Wohnzimmer des Prog in den Bergkeller Reichenbach, um Circle the Sun vorzustellen. Bolton & Co. werden langsam zur Hausband des Bergkellers. Neben Stücken aus dem neuen Album gab es natürlich auch viele Klassiker der Band zu hören. Beides wurde gefeiert. Mir fiel während des Konzertes auf, dass Keyboarder Adrian Gautrey immer mehr in den Vordergrund rückt und zum Frontman wird. Vielleicht war Steve Bolton an dem Abend auch nur etwas müde. Wer weiß?

Musikalisch schließt das neue Album nahtlos an frühere Produktionen an, als würde es die Jahrzehnte dazwischen nicht geben, wofür vor allem auch der warme Sound von Gautreys Hammond Orgel sorgt. Die Synthies setzen mehr oder weniger nur Akzente. Die Rhythmus Gruppe mit Paul Everett am Schlagzeug und Shug Spencer am Bass legen ein sicheres Fundament für die komplexen Ideen der beiden Frontmänner. Bolton und Gautrey wechseln sich als Songschreiber ab. Mit Fly Or Die geht es dann druckvoll mit einem typischen Atomic-Rooster-Kracher los, danach folgt der Titelsong des Albums. Mit Rebel Devil hat Steve Bolton einen straighten Rocksong geschrieben, der die Qualität einer Single-Auskopplung hätte, Pillow ist eine Ballade mit einer Gänsehautgitarre. Zum Schluss heißt es im letzten Track namens Blow That Mind „The only thing that‘s left to do – Go on flying.“ Und damit landet man wieder am Anfang Fly Or Die. Einmal die Sonne umrundet.
