Posted by: eleucht | 1. Dezember 2025

Kanzler aller Tassen

Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich unser Bundeskanzler und der amerikanische Präsident einen Wettbewerb um die niedrigsten Zustimmungswerte im eigenen Land liefern. Was aber bekanntlich keinen von beiden davon abhält, den Mund gehörig voll zu nehmen und andere Menschen vor den Kopf zu stoßen.

Das Original unterscheidet sich von der billigen Kopie nur durch die Häufigkeit und Intensität der Aussagen. Dabei versucht unser Bundeskanzler doch wirklich alles, um dem großen Vorbild in Sachen Populismus nachzueifern. Ob es sich um abwertende Worte über die brasilianische Stadt Belém handelt, dem Austragungsort der letzten Klimakonferenz, um seine Bemerkungen zum Stadtbild mit dem anschließenden Hinweis auf die erfolgreiche Arbeit seines Innenministers in Bezug auf Ausweisungen oder um seine Beschwerde, dass während seiner Afrikareise kein deutsches Brot zu finden war. Hätte er sich mal lieber zu Hause eine Leberwurststulle geschmiert und in seiner Blechbrotbüchse mit nach Afrika genommen. Mit größtmöglicher Effizienz findet unser Westentaschen-Trump immer wieder Bevölkerungskreise im In- und Ausland, die sich von seinen Worten angepisst fühlen müssen. Unser Meister aller Tassen lässt kein Fettnäpfchen aus. Mit großer Vehemenz stapft er garantiert in jedes von ihnen voller Elan hinein. Der Abstand zwischen zwei Fettnäpfchen wird bereits als 1 Merz bezeichnet. Nun hat er das sogar in Ostdeutschland geschafft. Alle Achtung, darauf muss man erst mal kommen! Auf dem Parteitag in Sachsen-Anhalt erklärt der Bundeskanzler, dass er es als großen Glücksfall sieht, in der Zeit der deutschen Teilung im Westen geboren worden und aufgewachsen zu sein. Wer hört das in Ostdeutschland nicht gern? Vor allem in Unionskreisen? ( https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101023392/friedrich-merz-kanzler-ist-froh-im-westen-geboren-zu-sein.html )

Eigentlich aber hat der Bundeskanzler damit recht. Er repräsentiert den Westen, den alten Westen. In Ostdeutschland haben wir schon genug andere Probleme und Problempolitiker, der Sauerländer gehört zum Glück nicht dazu. Allerdings spalten solche Aussagen weiter, reißen tiefere Gräben in eine Gesellschaft, die auf der Suche nach Sicherheit ist. Unter diesem Bundeskanzler wird diese Sicherheit noch schwerer zu finden sein. Ich sehe vor allem Zerstörung, in erster Linie Zerstörung von Vertrauen, die sich ungebremst fortsetzt. Was sich zu guter Letzt auch in seinen Auslassungen zu den Geschehnissen in Gießen widerspiegelt. Es hörte sich an, als wollte der Mann die Partei, die er zu halbieren gedachte, hofieren.

Aber wie beim Ministerpräsidenten in Bayern, der glaubt, er müsste seine Kultur des ungebremsten Wurstkonsums auf allen möglichen Social-Media-Kanälen teilen, finden hier Diskussionen auf Nebenkriegsplätzen statt. Wahrscheinlich tut man diesen Politikern einen Gefallen, wenn sich Menschen und Medien über Nebensächlichkeiten echauffieren, kann man dahinter doch ausgezeichnet das eigentliche Problem verbergen – das Versagen der Politik und der verantwortlichen Politiker.


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