Posted by: eleucht | 27. Juli 2010

Der Tag

Manchmal, an Tagen wie diesem zum Beispiel, kommt in mir das Gefühl auf, dass jeder von uns ein Buchstabe in einem bestimmten Text ist, einem großen, bedeutenden Roman vielleicht, einem spritzigen Essay oder auch nur einer witzigen Glosse. Alles ergibt nur einen Sinn, wenn jeder Buchstabe an genau der richtigen Stelle steht, der Text erzählt die Geschichte dieses Tages.

Aber es kommt beim Weben der täglichen Geschichtentexte immer wieder zu Rechtschreibfehlern, manchmal sind es mehr, ein anderes Mal weniger, da ist ein Buchstabe zu viel, dort fehlt einer, wieder einer steht an der falschen Stelle, hat sich in ein Wort gemogelt, in das er gar nicht gehört. Hin und wieder stehen aber auch alle Buchstaben an der richtigen Stelle, erzeugen im Kontext des Tages aber einen Missklang. Dann kann es geschehen, dass der Lesefluss oder Lebensfluss an dieser Stelle ins Stocken gerät.

Wenn ein Lektor den Text in seine Hände bekommt, so wird er die Fehler erkennen und beseitigen, den überflüssigen Buchstaben entfernen, den fehlenden hinzufügen und den falsch platzierten an die richtige Stelle rücken. Das sind die Momente, in denen wir am Abend feststellen können, dass uns dies oder das – was immer die Korrektur in unserem Leben auch bewirkt haben mag – den Tag gerettet hat. Manchmal wissen wir gar nicht, wem wir diesen Umstand, dieses Glück zu verdanken haben


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