Ein schönes sonniges Wochenende ist mit einem Gewitterguss zu Ende gegangen. Mein alter Kumpel Theo ist, was den Frühling und die sogenannten Frühlingsgefühle angeht, pragmatisch veranlagt. Er bekommt gar nicht so richtig mit, wie die Natur rund um uns herum erwacht und sich mit zartem Grün, das zunehmend kräftiger und satter wird, schmückt, wie die Obstbäume in voller Blüte stehen, wie es summt und brummt, wenn die Bienen beginnen auszuschwärmen und wie ein erster Zitronenfalter verspielt über die gelb gesprenkelte Wiese flattert. Kaum dass die ersten sonnigen Tage den Frühling verkünden, schlüpft er in seine verwaschenen, ausgebeulten Uraltshorts und setzt sich die ausgebleichte Baseballkappe mit dem Logo seiner Lieblingsbrauerei auf die von Jahr zu Jahr wachsende Stirnglatze und robbt auf allen Vieren buddelnd, schaufelnd und grabend in seinem Garten herum, bis ihm den Schweiß von der Stirn tropft und er stöhnend und ächzend seine schmerzenden Glieder streckt und sich erschöpft auf die Holzbank auf der Terrasse seines Gartenhäuschens fallen lässt. Seine Frau Annemarie steht dabei die meiste Zeit in oder vor der Laube und bereitet Kartoffelsalat, grünen Salat, Bohnensalat, Tomatensalat und Gurkensalat für das abendliche Grillvergnügen zu, wobei sie eigentlich nichts anderes tut, als den Rest der Woche auch, wenn sie die meiste Zeit in der Küche herumwerkelt. Nur dass sie der muffige Geruch des im Winter lange verwaisten Gartenhäuschens näher an die Natur bringt.
Was mich nun betrifft, so habe ich vom Säen und Jäten so viel Ahnung wie vom sprichwörtlichen Tuten und Blasen, nämlich keine. So darf ich mir schon mal ein Bier aus dem Kühlschrank nehmen, mich auf einen der mehr oder weniger bequemen, vom Winterstaub befreiten Plastikstühle in die Sonne setzen und den traumhaft schönen Frühlingstag genießen. Die Gastgeber, sorgsam darauf bedacht, dass ich als vollkommener Laie in Sachen Gartenbau ja keinen Schaden in ihrem kleinen Wochenendparadies anrichte, sind sichtlich um mein leibliches Wohl besorgt und fragen ständig, ob es mir auch nichts mangele.
Ich freue mich schon darauf, im Sommer die blühende Pracht von Theos Arbeit in den Blumenbeeten aufgehen zu sehen. Annemarie versäumt dann auch nie, mir einen großen bunten, duftenden Blumenstrauß mitzugeben, den ich doch einem lieben Menschen zum Geburtstag oder einfach nur so schenken könnte, wohl damit ich Verständnis für den großen, schweren Beutel voller Zucchini – „so viel können wir doch gar nicht verbrauchen!“ – habe, den sie mir anschließend in die Hand drückt.

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