Posted by: eleucht | 20. Februar 2012

„Die Legende – Was am 11. September geschah“ – Wolfgang & Paul Schreyer

Wolfgang Schreyer. Natürlich. Lange nicht mehr gehört, aber der Name ist mir nicht unbekannt. Ich habe schon Bücher von ihm gelesen, auch wenn das schon eine Weile her ist. Und der Name hat einen guten Klang, seine Bücher hatten Thriller-Qualität mit Tiefgang, die Handlungen seiner Romane waren stets mit einem aktuell politischen Hintergrund verknüpft. In diesem Spannungsfeld entwickelten sich fesselnde Geschichten.

Paul Schreyer ist der Sohn, der in vorliegendem Band für die harten Fakten zuständig war. Er recherchiert seit vielen Jahren intensiv zu den Anschlägen des 11. September. Vieles davon floss in den Roman ein.

Der 11. September und George W. Bush sind untrennbar miteinander verbunden, Legendenbildung und wild wuchernde Verschwörungstheorien schufen längst ein undurchsichtiges Konglomerat, unter dem die Wahrheit begraben liegt. Es mag Kreise geben, die genau daran interessiert sind.

Der Roman „Die Legende“ ist in einer sachlichen, nüchternen Sprache gehalten, zurückhaltend in den Emotionen, selbst wenn es um persönliche Dinge und intime Handlungen geht. Das tut dem Buch zweifellos gut.

Die Geschehnisse rund um die Anschläge des 11. September werden aus den Perspektiven verschiedener Personen geschildert, deren persönliche Ansichten und politischen Meinungen die jeweilige Sicht bestimmen. Zu Wort kommen u.a. George W. Bush, dessen loyaler Bodyguard Edward Jackson, der windige, karrierebewusste Top-Berater Daniel Shaw, die kritische Journalistin Brenda Delano. Sie berichten aus ihrer Sicht in der Ich-Form, womit eine gewisse Authentizität geschaffen wird. Die Handlung, die Gedankengänge, die Gespräche und Recherchen rücken dabei vor allem eine Figur in den Mittelpunkt, die des George W. Bush. Sie zeichnen ein sehr differenziertes Bild des einst mächtigsten Mannes der Welt, sie zeigen seine Verwandlung vom Versager zum entschlossen auftretenden Kriegspräsidenten, der trotz all seiner Unzulänglichkeiten und der Peinlichkeiten seines Auftretens vor dem Hintergrund der Anschläge plötzlich die Zustimmung des Großteils des amerikanischen Volkes hinter sich weiß und damit beinahe unangreifbar wird, sie zeigen auch das undurchdringliche Geflecht vielfältiger Beziehungen und Abhängigkeiten von Wirtschaft, Politik und Geheimdiensten hinter den Kulissen.

Wie ein roter Faden zieht sich ein weiteres traumatisches Ereignis der amerikanischen Geschichte durch den Roman, der Angriff der Japaner auf Pearl Harbor, der schließlich zum Kriegseintritt der USA führte. Frühzeitig wurde damals der Verdacht laut, dass die Führung und der Geheimdienst der USA über die Angriffspläne der Japaner informiert gewesen sein könnten. Die Ergebnisse des damals einberufenen Untersuchungsausschusses blieben jahrelang als „Streng geheim“ unter Verschluss.

Im Anschluss an den Roman gibt der Autor im „Fallout“ betitelten Teil in acht Kapiteln noch Einblicke in verschiedene Akten und Berichte zum 9.11., die im direkten Zusammenhang mit der Handlung des Buches stehen. Vieles davon ist, mehr oder weniger, bekannt, wurde bereits schon veröffentlicht. All diese Fakten im Zusammenhang ergeben aber letztendlich ein Bild, bei dem beim Leser der Eindruck entsteht, dass bei der Aufklärung der Vorgänge um die Anschläge ganz bewusst getäuscht, verschleiert und vertuscht worden ist, dass falsche Spuren gelegt, Namen und Daten geändert worden sind. Parallelen zu Pearl Harbor drängen sich förmlich auf.

Am Ende bleibt nur die Gewissheit, dass in dieser riesigen Flut von Informationen, die durch die Medien rollte und rollt, die Wahrheit einfach untergegangen ist.

Noch eine Parallele tat sich auf, nämlich zu Nachrichten aus neuerer Zeit, in denen es hieß, dass der pakistanische Geheimdienst ISI die Taliban unterstützt. Was wie eine Neuigkeit klingt, ist in diesem 2006 erschienenen Roman bereits thematisiert und eine längst bekannte Tatsache.


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