Verfasst von: eleucht | 27. Juli 2015

Des Pudels Kern

2012-03-27_buch_icon_symbolIn meiner Bücherecke stelle ich in unregelmäßigen Abständen Bücher vor, die mich bewegt haben oder die ich für erwähnenswert halte. Man kann das Rezension nennen oder auch nicht, eigen ist ihnen allen aber ein positiver Tenor. Nicht ohne Grund. Verrisse schreibe ich nicht. Wenn längere Zeit keine Buchvorstellungen zu lesen sind, so könnte das daran liegen, dass ich mich bei der Auswahl etwas vergriffen habe. Soll ja vorkommen. Diesen Büchern begegne ich mit einer gewissen Zurückhaltung. Die Sicht auf ein Buch und das Verständnis für den Inhalt wird von subjektiven Faktoren bestimmt, die in jeder wie auch immer genannten Rezension zum Ausdruck kommen. Sollten sie jedenfalls, wenn man kein Lohnschreiber ist. Mancher wird eben vieles anders sehen, die Geschichte anders aufnehmen, anders empfinden. Jeder Autor investiert eine Menge Herzblut in sein Werk, egal wie das Ergebnis aussieht. Manchmal wären ja auch ein bisschen weniger Herzblut und dafür mehr Duden, mehr Handwerk und mehr Stilsicherheit angebracht. Aber das nur nebenbei. Derartige Ratschläge wird sich eh niemand zu Herzen nehmen. Es soll ja auch Leser geben, denen Letzteres wurscht ist. Einschlägige Buchbewertungen in diversen Online-Portalen legen reichlich Zeugnis von einer gewissen Ignoranz ab. Manchmal aber auch davon, dass ein Autor über einen großen Freundeskreis verfügt. Was natürlich nicht von der Hand zu weisen ist, da viele positive Bewertungen zu mehr Verkäufen führen.

In solch einem Fall kann ein Leser, der sich von einem bestimmten Buch etwas versprochen hat, der Gelackmeierte sein. Dann verliert man schnell die Lust, neuen Autoren eine Chance zu geben und greift lieber auf Bewährtes zurück. Aber wie kann man sich Neues erschließen, wenn man es nicht wenigstens mal versucht? Bei den Unmengen an Neuerscheinungen jeden Monat wird auch so schon vieles einfach untergehen, unentdeckt, unerkannt bleiben. Und manches davon hätte sicherlich ein bisschen Aufmerksamkeit verdient. Aber nach einem literarischen Reinfall – und den erlebt man in Zeiten von E-Books und Selfpublishing recht häufig – sorgt man eben lieber ein Mal mehr dafür, dass die Honorare der Bestsellerautoren weiter steigen. Zumindest versprechen deren gedruckte Worte ein gewisses Maß an Qualität.

Wie ich darauf komme? Weil mir letztens ein solches Buch untergekommen ist, bei dem der Ausdruck grottenschlecht einer Schmeichelei gleichkäme. Nebenbei bemerkt, ich gehe mit dieser Art Ausdrücken zur Beschreibung von Romanen sehr, sehr sparsam um. Aber ein anderes Adjektiv ist mir in diesem Fall beim besten Willen nicht eingefallen. Namen werde ich selbstverständlich nicht nennen. Siehe oben, keine Verrisse. Cover und und das vorgestellte Sujet des Buches ließen auf eine interessante, außergewöhnliche Geschichte schließen, weitweg vom Mainstream und von sattsam bekannten Klischees. Je tiefer ich nun in die Handlung eindrang, desto orientierungsloser kam ich mir vor. Ich möchte nicht behaupten, dass der/die AutorIn beim Schreiben den roten Faden verloren hat, nein, so etwas kann nicht passieren, wenn man einen solchen gar nicht hat. Dass den Figuren eine gewisse Tiefe fehlte, das kann vorkommen, dass sie aber so wandelbar sind, dass sie wie mit Gewalt in die Geschichte gestopft wirken, das irritiert. Kommt der/die ProtagonistIn des Buches in eine scheinbar ausweglose Situation – und deren gab es einige – dann benötigt der/die AutorIn für den Fortgang der Geschichte nicht mal den viel beschworenen Deus ex Machina, das übernehmen die Figuren selbst, die sich der Handlung entsprechend anzupassen wissen, dass ein gerade entstandener Konflikt fast problemlos gelöst wird und sich alles in Wohlgefallen auflöst. Und nein, das kam nicht stimmig rüber.

Orthografie und Grammatik waren bis auf wenige Ausnahmen ganz passabel. Die Fehlerquote hielt sich in einem, sagen wir mal, für Kleinverlage vertretbaren Rahmen. Man kann davon ausgehen, dass das Manuskript in den Händen eines Lektors gelandet ist. Dessen Arbeit sich aber wohl auf Rechtschreibung und Grammatik beschränkte.

Die Skala, die den Dilettantismus misst, ist nach oben (oder nach unten, je nach Sichtweise) offen. Da mag man sich fragen, wie eine Aneinanderreihung skurriler Ideen, die mit nicht leicht nachzuvollziehenden Handlungssträngen verknüpft sind, den Weg in ein gedrucktes Buch finden konnten. Kann es dem Verlag egal sein, was er da auf den Markt wirft?

Im Prinzip ja, nämlich dann, wenn ihm keine Kosten entstehen, weil die, zum Beispiel, vom Autor bzw. von der Autorin getragen werden. Eine Google-Suche bestätigte meine Vermutung.

Es gibt nicht wenige Verlage, deren Geschäftsmodell es ist, den Autor an den Kosten, die bei Produktion und Vertrieb entstehen, zu beteiligen. Einer von beiden wird auf jeden Fall einen mehr oder weniger großen Gewinn dabei machen. Es kann ja sein, dass es der/die AutorIn ist. Aber das darf bezweifelt werden. Es gibt unterschiedliche Modelle, die Bücher mit dem Geld der Autoren zu produzieren. In einigen Fällen liegt das Gewinnversprechen darin, dass der/die AutorIn vertraglich dazu verpflichtet wird, eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Büchern mit Autorenrabatt vom Verlag abzukaufen. Diese kann er dann zum üblichen Festpreis (Buchpreisbindung!) weiterverkaufen. Man kann davon ausgehen, dass die wenigsten Autoren Verkaufsgenies sind. Aber es gibt sie natürlich, keine Frage. Für diese speziellen Verlage ist es dann jedenfalls wenig bis gar nicht rentabel, noch mehr Geld in Werbung und Vertrieb eines solchen Buches zu investieren. Die Bücher, so wird versprochen, sind auf den Verlagsseiten und allen wichtigen Online-Shops ständig verfügbar. Aber wer sollte sie in dem Überangebot finden? Und besonders günstig sind sie selbst als Taschenbücher nicht zu bekommen.

Wer mehr darüber wissen möchte, informiere sich über die Google-Suche nach DKZ-Verlagen. Er wird erstaunt sein, was sich darüber alles findet.

Üblicherweise verkaufe ich die meisten meiner Bücher wieder, wenn ich sie gelesen habe, oder ich gebe sie anderweitig weiter. In diesem speziellen Fall habe ich das sein lassen, ich hatte unheimliche Angst davor, jemand könnte erfahren, dass ich DAS gelesen habe.


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