Verfasst von: eleucht | 6. Februar 2018

“Das Lied der Krähen” – Leigh Bardugo

KrähenEine Fantasywelt, in der ein kleiner Trupp Auserwählter auf eine so gut wie aussichtslose Mission geht – diese Thematik, so möchte man meinen, sollte eigentlich ausgelutscht sein. Aber letztendlich kommt es darauf an, was man aus einem Thema macht, welche neuen Sichtweisen man dem Leser präsentiert, welchen Verlauf mit welchen Nuancen die Mission nimmt und ob die agierenden Charaktere überzeugen. Im Falle dieses Romans aus der Feder der Autorin Leigh Bardugo passt einfach alles. Sie baut einen geradezu knisternden Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Zeile auf. Die dichte Erzählstruktur und die bildhafte Sprache ziehen den Leser unmittelbar in die Handlung hinein. Entkommen unmöglich.

Eine gefährliche Droge versetzt magisch veranlagte Menschen in die Lage, ihre Kräfte zu potenzieren und unmögliche scheinende Dinge zu vollbringen. Dabei macht die Droge vom ersten Kontakt an total süchtig und zerstört den Körper derer, die sich ihrer bedienen. Die Kaufmannsgilde von Ketterdam erkennt die Gefahren für das friedliche Zusammenleben der Menschen und der verschiedenen Völker – eine Voraussetzung für florierenden Handel. Bevor die Droge in die falschen Hände gerät, muss alles getan werden, um ihre Anwendung und vor allem ihre Produktion zu verhindern. Der Hüter des Geheimnisses um ihre Herstellung befindet sich im bestgesicherten Gefängnis der Welt. Ihn aus diesem zu befreien, ist ein aussichtsloses Unterfangen.

Kaz Brekker ist jemand, der im schlimmsten Viertel von Ketterdam aufgewachsen ist. Er ist skrupellos und abgebrüht genug, um sich für ein Millionensalär der Sache anzunehmen. Kaz Brekker ist ein Meisterdieb, der vornehme Kleidung und Handschuhe trägt, der zu seinem eigenen Vorteil eiskalt lügt und betrügt und wenn es sein muss, auch mordet, der weder Rücksicht noch Freunde kennt, der vor keiner Herausforderung zurückschreckt, so lange er einen Vorteil daraus ziehen kann. Vor allem ist er ein ausgezeichneter Stratege, der weiß, wie er sich aus jeder noch so ausweglosen Situation befreien kann. Er sucht sich seine Mannschaft für das waghalsige Unternehmen aus Außenseitern, wie er selbst einer ist, zusammen. Aber nur er allein kennt alle Einzelheiten seines wahnwitzigen Plans, er allein hält alle Fäden stets in der Hand. Nein, Kaz ist nicht gerade ein Ausbund Moral und Ehrgefühl kommt in seinem Vokabular nicht vor. Er vertraut prinzipiell niemandem. In vielen Rückblenden während der rasanten Handlung erfährt der Leser, welches Schicksal ihn zu dem Menschen gemacht hat, der er ist. Und man erkennt, dass hinter der Fassade des eiskalten Verbrechers ein fühlender Mensch steckt.

Und genau das soll ihm am Ende zum Verhängnis werden, ein kleiner unbedachter Augenblick der Schwäche. Spätestens an dieser Stelle wird auch klar, wer die wirklichen Verbrecher sind.

Mein Fazit: Mit das Beste an Fantasy, das ich seit Langem gelesen habe.

 


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