Parasomnia, das neue Album von Dream Theater, ist eine Tour de Force durch die finsterste aller Nächte. Laut und hart und trotzdem hymnisch tönt es aus den Lautsprecherboxen. Progressive Metal, den man eben nicht so nebenbei hören kann, der Konzentration verlangt. Schlagzeuger Mike Portnoy, dreizehn Jahre lang durch Mike Mangini ersetzt, ist zur Band zurückgekehrt.
In den dunklen und düsteren Tönen, in denen das Cover gehalten ist, kommt auch die Musik daher. Parasomnia sind unerwünschte Verhaltensweisen während des Schlafes oder während des Übergangs vom Schlaf- in den Wachzustand. Die Stunde, in der man den finsteren Mächten, die ihre Hand nach der Seele ausstrecken, beinahe hilflos ausgeliefert ist. Man sieht, Dream Theater machen es sich nicht gerade leicht, Themen zu finden, die sie musikalisch verarbeiten. Und das verlangt vom Hörer Aufmerksamkeit. Dann bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als sich dem Thema, das ihn in harten Rhythmen überrollt, zu öffnen. Aber das tun die Fans der Band seit Jahren. Natürlich haben Dream Theater mit diesem inzwischen 16. Album den Prog Metal nicht neu erfunden, der Hörer bekommt das, was er von den Ausnahmemusikern erwartet. In den 71 Minuten (unter dieser Zeit tun sie‘s eh niemals) sind das Härte, Rock, überraschende Rhythmus- oder Harmoniewechsel, diesmal besonders lange instrumentale Passagen, in schwelgerische Melodiebögen krachen John Petruccis metallische Gitarrenriffs, die dann ganz selbstverständlich in hymnische Melodien übergehen. Und natürlich beweist Petrucci in den Soli ein weiteres Mal seine außergewöhnliche Virtuosität und Fingerfertigkeit. Ob das Ende des Albums nach dem fast zwanzigminütigen Stück The Shadowman Incident die Erlösung verspricht, muss jeder Hörer für sich selbst beantworten: As you fall asleep / Better keep a watchful eye / And maybe leave a light on tonight. So geht der Night Terror.
