Verfasst von: eleucht | 24. August 2010

Lit.Limbus.02 – Auf der Suche nach der literarischen Vorhölle

Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob sich ein Autor ein Thema sucht oder ob das Thema ihn sucht. Es soll ja Autoren geben, die jagen einem Thema förmlich hinterher – und sind am Ende froh, wenn ihnen eins gegeben wird.

Hat der Autor dann frohen Mutes zugegriffen, so beginnt die Idee schnell ein Eigenleben zu entwickeln, sie bestimmt fortan alle seine Gedanken, beansprucht seine ganze Aufmerksamkeit, eben noch wichtige Dinge, Termine, Pläne, Aufgaben und Vorhaben versinken ganz plötzlich in der Bedeutungslosigkeit. Die Idee arbeitet unentwegt in den Gedanken weiter, sie sucht neue Wege, erfindet und formt Figuren und haucht ihnen Leben ein, sie weckt die Zweifel an dem, was bereits niedergeschrieben ist und gibt sich nie mit dem Erreichten zufrieden. Die Idee ist der Wind unter den Flügeln der Fantasie, doch wenn der erste Rausch verflogen ist und die Begeisterung nachlässt, erfolgt der Absturz und der Autor landet recht unsanft auf dem Boden der Tatsachen. Im trüben Licht des Alltags verliert manche großartig scheinende Idee schnell ihren Glanz.

Vielleicht ist es schon der erste Schritt in die literarische Vorhölle, wenn sich der Autor der Idee ausliefert.

Die Gedanken kennen keinen Urlaub und lassen den Autor auch in seiner vermeintlich freien Zeit nicht zur Ruhe kommen, voller Unrast verfolgen sie das Thema weiter, sie führen mich auf verschlungenen Wegen zu neuen Ein- und Aussichten. Manchmal landet man im Ungewissen, ein anderes Mal verliert man das eigentliche Ziel aus den Augen, wenn sich jenseits des Horizonts überraschend neue Welten auftun.

Die Suche nach der literarischen Vorhölle führt mich schließlich an diesen Ort:

Da wusste ich, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Wo die Hölle ist, kann die Vorhölle nicht weit sein.

Der Empfang in der Hölle ist ausgesprochen freundlich, die gefürchtete Stätte erweist sich als idyllisch gelegener, erholsamer Ferienort, der zu Wanderungen durch das Höllental einlädt und für die Durstigen erfrischenden Höllensprudel bereithält.

Andererseits, Reisende soll man nicht aufhalten. Einmal richtig Gas gegeben, und schon hat man das Ortsausgangsschild der Hölle passiert.

Und die Reise zu Lit. Limbus geht weiter.


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