Verfasst von: eleucht | 21. Juni 2011

„Kalt glimmen die Sterne“ – Vampirgeschichten

Vampire haben gerade Hochkonjunktur, die Welt wird förmlich überschwemmt von hübschen, vornehm blassen Blutsaugern. Für Elke Heidenreich war das ein guter Anlass, wieder mal auf sich aufmerksam zu machen (ja, es gibt sie noch), konnte sie sich doch darüber beklagen, dass sich an der Spitze der deutschen Bestsellerlisten derzeit vor allem Vampire, Trolle und dergleichen Fantasygestalten tummeln.

Braucht die Welt also wirklich noch ein weiteres Buch zum Thema Vampir?

Wenn man sich einmal vergegenwärtigt, dass die Kreaturen der Nacht inzwischen zu einer Art Teenie-Schwarm zu verweichlichen im Begriff sind, kann die Antwort auf diese Frage eigentlich nur ja lauten. Ist man doch auf dem besten Weg, die Vampire zu vermenschlichen, indem man Konflikte, Dramen und Liebesbeziehungen aus der Welt der Menschen in die der Vampire verlegt. Viele der in letzter Zeit erschienenen und auch verfilmten romantisch geprägten Liebesgeschichten zwischen Mensch und Vampir münden in einer asexuellen Handlung, die in ihrer politischen Korrektheit sogar Vorbildfunktion für den amerikanischen Durchschnittsteenie haben. Das Ziel ist klar, es geht um Vermarktung, und so wird auch der Vampir ausgeschlachtet, bis kein Tröpfchen Blut mehr in ihm zurückgeblieben ist. Vampires go Business. Blutsaugen wird zum Hobby; damit Vampir dem geliebten Menschen nicht weh tut, trinkt er gelegentlich Blut aus der Konserve, zur Not darf es auch das von Tieren sein. Fehlt nur noch der Vampir, der das umweltbewusst aus der Mehrwegflasche tut. Es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis der erste Kuschelvampir die Kinderzimmer erobert.

Die Faszination des Bösen, dem eine blasphemische Erotik des eiskalten Verführers innewohnt, ist den Vampiren in den letzten Jahren abhanden gekommen.

Der erste Band der Vampirgeschichten aus dem Sphera Verlag gibt den Kreaturen ihr ursprüngliches Wesen zurück, ohne aus ihnen dumpfe, hirnlose Blutsauger zu machen. Sie müssen über eine teuflische Intelligenz verfügen, um überleben und den Nachstellungen der Menschen entkommen zu können, sie dürfen durchaus auch mal melancholisch werden wie Louis de Pointe du Lac aus „Interview mit einem Vampir“ und über die Unsterblichkeit und die sozialen Bindungen ihrer Art philosophieren. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Tier in ihnen erwacht und sie gar nicht anders können, als ihren Durst am Blut der Menschen zu stillen. Die Wahrheit ist eben, dass es Freundschaft und Liebe zwischen Mensch und Vampir nicht gibt, dass sie reißende Bestien sind. Umso schrecklicher die Erkenntnis, dass sie diesem unstillbaren Verlangen, dieser Gier nach Blut bedingungslos ausgeliefert sind. Und so manch einer darf sich da durchaus die Frage stellen, ob dies als Preis für die Unsterblichkeit nicht zu hoch ist.

Die Anthologie beginnt mit der Geschichte „Die erste Nacht“, in der der Protagonist in dunkler Nacht erwacht und spürt, dass er nicht mehr er selbst ist. Erst nach und nach lernt er sein neues Wesen kennen – und er begreift, dass er ihm nicht entfliehen kann. Diese Story stammt aus meiner Feder.

Der Zyklus endet mit der Todessehnsucht eines Vampirs, seiner Verzweiflung, der Unsterblichkeit zu entfliehen. „Kalt glimmen die Sterne“ gab der Anthologie ihren Namen. Der Vampir am Ende begreift, dass es nicht die kalten Sterne sind, die ihm die Erlösung bringen.

Eine Anthologie für Leser, die das wirkliche Wesen der Vampire ergründen wollen.


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