Verfasst von: eleucht | 10. Februar 2014

„Doctor Sleep“ – Stephen King

Sleep 001„Shining“ zählt zweifellos zu den bekanntesten und beliebtesten Romanen von Stephen King. Nicht weniger bekannt und beliebt dürfte auch der gleichnamige Film von Stanley Kubrick mit Jack Nicholson in der Hauptrolle sein. Stephen King selbst mochte diese Verfilmung nicht. Was dem einen oder anderen schwerfällt zu verstehen. Aber gut, der Autor hat nun mal eine ganz konkrete Vorstellung von der Geschichte, die er erzählt. Mag sein, dass der Kern der Geschichte unter der Schauspielkunst von Jack Nicholson verblasste. Einer wie Nicholson kann gar nicht anders, als die Handlung an sich zu reißen. Das ist verständlich und dafür liebt man ihn.

Sei es wie es sei, die Geschichten, die Stephen King erzählt, entwickeln sich noch immer am besten beim Lesen seiner Bücher. Dafür bedürfte es nicht wirklich einer Verfilmung.

„Doctor Sleep“ nun setzt die Geschichte von „Shining“ fort. Dan Torrance – ich kann nichts dafür, ich sehe noch immer den Jungen, der in Kubricks Film mit einem Dreirad durch die leeren Hotelgänge des Hotels „Overlook“ rast – ist erwachsen geworden. Er verfügt noch immer über das Shining – und es ist ihm Segen und Fluch zugleich. Denn da ist auch noch das Erbe seines Vaters – der Alkoholismus, dem Dan verfallen ist. Entsprechend selbstzerstörerisch gestaltet sich sein Leben.

Nach dem absoluten Tiefpunkt seiner Trinkerkarriere landet Dan in einem kleinen Nest in New Hampshire. Mit Hilfe der Anonymen Alkoholiker, zu denen er dank der Hilfe seines neuen und strengen Chefs findet, gelingt es ihm, trocken zu werden und ein neues Leben zu beginnen. Seine Fähigkeit, sich in die Seele anderer Menschen hineinzuversetzen, verhilft ihm zu einer Stelle in einem Hospiz, wo er die Sterbenden auf ihrem letzten Weg begleitet. Doctor Sleep nennt man ihn voller Hochachtung.

Sie fahren mit großen Wohnmobilen quer durchs Land, sie sind unauffällig, halten sich stets an Geschwindigkeitsbegrenzungen und Gesetze, sie zahlen zuverlässig und bar, sie scheinen eine Gruppe von Männern und Frauen mittlerer und älterer Jahrgänge zu sein, die sich in nichts von anderen amerikanischen Staatsbürgern unterscheiden. Und doch sind sie gefährlich wie eine Horde Vampire. Sie ernähren sich allerdings nicht von Blut, sie jagen Menschen mit übersinnlichen Kräften. Ihre bevorzugten Opfer sind junge Menschen und Kinder, die über ein besonders starkes Shining verfügen. Sie saugen sie aus, was aber mit furchtbaren Schmerzen verbunden ist. Das ist der Stoff, der ihnen ihre Macht und Unsterblichkeit verleiht. Ihre Anführerin ist Rose the Hat, eine hübsche Frau mit vollen Lippen, deren schwarze Lockenpracht ein schief aufgesetzter Zylinder krönt. (Warum entsteht in mir dabei das Bild von Slash, dem Ex-Gitarristen von Guns’n’Roses, zumal ein Mitglied der Truppe Snakepit Andie heißt?)

Und da gibt es ein Mädchen, Abra Stone, deren übernatürliche Fähigkeiten um ein Vielfaches stärker sind als die von Dan Torrance. Auf sie haben es die „Geisterleute“ abgesehen, denn sie ist ihnen auf die Spur gekommen. Außerdem verspricht ihr Tod eine Menge des Stoffes, den sie zum Überleben benötigen.

Dank ihrer übersinnlichen Fähigkeiten gelingt es dem Mädchen, eine mentale Verbindung mit Dan herzustellen. Zu zweit müssen sie sich einem aussichtslos scheinenden Kampf gegen einen übermächtigen Gegner stellen. Der Showdown führt Dan Torrance schließlich tief in seine eigene Vergangenheit.

Was mir noch aufgefallen ist, in dem Roman menschelt es für einen King ungewöhnlich viel. Gegen die geballte Kraft von Dan, Abra und deren Freunden scheinen die Mächte des Bösen kaum eine Chance zu haben. Erste Anzeichen von Altersmildheit bei Stephen King? Trotzdem eine spannende Story.


Responses

  1. Das kenne ich nun noch nicht… habe aber früher sehr gerne und viel King gelesen. Vor kurzem „Das Leben und das Schreiben“… fand ich ganz interessant… mal mehr privates von ihm.
    LG, Petra


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