Verfasst von: eleucht | 25. November 2014

Eine Million

Korun 001Ein schönes Scheinchen, auch wenn es nur den Wert von acht Schokoladentalern, etwas größer als 2-Euro-Stücke, hat. Was aber absolut nichts mit dem Wert der tschechischen Währung an sich zu tun hat. Die hält sich seit Jahren stabil bei 24 bis 25 Kronen für einen Euro. Außerdem handelt es sich bei dem abgebildeten Millionen-Schein um tschechoslowakische Kronen, also die Vorwendewährung. Heute heißt es tschechische Kronen (korun českých).

Natürlich hat es auch nie einen solchen Millionen-Schein gegeben, wie es zur damaligen Zeit wahrscheinlich auch kaum Millionäre gegeben hat, Karel Gott mal ausgenommen.

In den Zeiten des real existierenden Sozialismus gab es übrigens für eine Ost-Mark drei tschechoslowakische Kronen. Da wäre eine Million auch ein erkleckliches Sümmchen in Ost-Mark gewesen, mit dem man sich eine Menge Träume hätte erfüllen können.

Welche Bedeutung das hat, kann wohl nur der ermessen, der weiß, dass für DDR-Bürger bei Tagesreisen ins Nachbarland ein Höchstumtauschsatz von 20 Ost-Mark galt. Man hatte also 60 Kronen in der Tasche und musste damit den ganzen Tag über die Runden kommen. Damit ließen sich wahrlich keine großen Sprünge machen. Wollte man sich eine Kleinigkeit leisten, ging das auf Kosten des Mittagessens. Keine leichte Entscheidung für jemanden, der die böhmische Küche liebt.

Für einen längeren Aufenthalt in der Tschechoslowakei galt übrigens ein höherer Umtauschsatz, man musste im Urlaub dort also nicht verhungern. Ebenso bekam man ein höheres Transitgeld bei Reisen durch die Tschechoslowakei, etwa nach Ungarn. Eine gute Möglichkeit, ein paar Kronen für spätere Gelegenheiten zu sparen. Man durfte sich dabei allerdings später nicht erwischen lassen, und die Grenzkontrollen auch ins sogenannte sozialistische Ausland waren streng. Wer einem DDR-Zöllner schon mal ins Antlitz gesehen hat, weiß, wovon ich spreche. Schwarzenegger als Terminator hatte mehr Ausdruck in seiner Mimik.

Tricksen war nicht drin. Man bekam ein paar zusätzliche Seiten in den Personalausweis geklebt, auf denen der Umtausch von Ost-Mark in Kronen sowie der Grenzübertritt und die Wiedereinreise in die DDR vermerkt wurden. Alles wurde peinlichst genau dokumentiert.

Jeder wird sich vorstellen können, dass der wirklich Wert der Krone gegenüber der Ost-Mark weit über dem offiziellen Umtauschkurs lag und dass da viel geschoben wurde.

Dieser Millionen-Kronen-Schein ist nur eine witzige Geschenkverpackung. Für die oben genannten Schokoladentaler. Inzwischen ist der kleine Grenzverkehr zum Glück viel offener und unkomplizierter geworden. Und im grenznahen Raum kann man auch problemlos mit dem Euro bezahlen.Ausweis 001Cheb im Oktober 010Cheb heute.


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