Verfasst von: eleucht | 21. Februar 2015

Wer am lautesten schreit …

… wird einmal auch erhört werden.

Es war einmal ein kleiner Kommunalpolitiker. Der hat sich seine Meriten während der Wendezeit 1989 durchaus verdient. Die kann ihn niemand mehr nehmen. Lang ist’s her. Als Mitglied einer regionalen Partei, die ihr Vorbild in einer großen bayerischen Volkspartei sieht, gilt er, wie man gemeinhin sagt, als sehr umtriebig, auch und vor allem was sein Verhältnis zur Presse angeht. Die einen sagen, er verstehe es ausgezeichnet auf der Klaviatur der Meinungsbildung zu spielen, die anderen meinen, er nutze die Medien, um sich zu profilieren. Was natürlich das gute Recht eines jeden ist und jedem gegönnt sei, der sich darauf versteht.

Auf diese Weise hat es unser Kommunalpolitiker im Laufe der Jahre nicht nur zum Stellvertretenden Bürgermeister der Großen Kreisstadt gebracht, sondern ist auch noch Bürgermeister einer kleinen Gemeinde am Rande des Vogtlands. Diese ist seit dem Machtantritt der Kommunisten im benachbarten Thüringen, die dort gerade die Planwirtschaft wieder einführen und wahrscheinlich auch den erneuten Bau einer Mauer erwägen, so gut wie zum Zonenrandgebiet geworden.

Gut befreundet ist der viel beschäftigte Mann auch mit den großen Volksmusikstars – bekannt aus Funk und Fernsehen – der Region, weswegen er es sich nicht nehmen lässt, sie zu allerlei Auftritten zu begleiten, gerne auch wenn sie im Fernsehen übertragen werden. Schließlich bekommt man auf diese Weise viele Gelegenheiten, sich im Glanz der Stars vor allerlei Kameras zu präsentieren. Später kann man aus erster Hand in der regionalen Presse von diesen Events berichten und schwärmen. Soweit alles okay.

Eines Tages zog es den kleinen Kommunalpolitiker in die große, weite Welt hinaus, in die große Stadt am großen Fluss, in der auch die Fürsten des Freistaats residieren und wo sich beinahe wöchentlich die Retter des Abendlandes vor der drohenden Islamisierung zum abendlichen Spaziergang zur verdunkelten Semperoper treffen. Großartig, denn auch dort gibt es jede Menge Kameras! Und was ein richtiger Medienprofi ist, dem gelingt es auch bei dieser Gelegenheit, sich von einer einfangen zu lassen. Der Kommunalpolitiker strahlt übers ganze Gesicht, als befände er sich auf dem Rosenmontagsumzug in Mainz. „Lügenpresse! Lügenpresse!“, schreit er mit großer Begeisterung in die Mikrofone. Geschafft!, wird er sich gesagt haben, das wäre im Kasten. War es auch.

Aber es kam noch besser. Im Rahmen einer politischen Sendung im Zweiten mit dem militanten Titel „Frontal 21“, die Verbindungen von Pegida und AfD zum Inhalt hatte, kam unser kleiner Kommunalpolitiker in der Schlussszene mit dem schreiend geäußerten Statement ganz groß raus.

Was denn? Was denn? Lügenpresse? Von einem, der mit beinahe der gleichen Regelmäßigkeit wie der Wetterbericht in der Zeitung zu finden ist? Alles nur Lügen, was er da all die Jahre über die Presse – der Lügenpresse – verbreitet hat? Alles gar nicht wahr?

Es konnte eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis die „Lügenpresse“ auf diesen öffentlichem Affront reagierte. Und hier – Achtung! – kommt das Beste. Nämlich die Erklärung, Rechtfertigung oder was auch immer. Er wäre, sagte er, im vergangenen Jahr einmal auf einer Pegida-Demonstration gewesen und hätte sich von der Masse der Rufenden mitreißen lassen. Und er fügt noch hinzu, dass mit seinen Rufen nicht die vogtländische Presse gemeint sei, sondern die Regenbogenpresse, die die Menschen verdumme (hört! hört!) und auch immer wieder Volksmusikstars „durch den Kakao“ ziehe. Ahaaa! Dass bei Pegida viele ihr eigenes Süppchen kochen, kann man sich gut vorstellen. Nun geht es also auch noch um die Rettung von Volksmusikstars vor der Verunglimpfung durch die Regenbogenpresse! Eine ganz neue Erkenntnis, die für den Fortbestand des Abendlandes von nicht geringer Bedeutung ist. Wird es nicht Zeit, dass daraus endlich eine eigene Bewegung entsteht?

Volksverdummung ist eben noch immer der Volkssport der – äh, ja – Volksvertreter.


Responses

  1. Die kleinen und großen Politiker. ..was für ein Elend.


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