Verfasst von: eleucht | 14. Juni 2017

„Roter Mond“ – Benjamin Percy

Roter Mond 001Es ist eine surreale Situation, in der sich Amerika befindet. Ein Virus verwandelt Menschen in Werwölfe, in Wesen, die jede Kontrolle über sich verlieren und zu blutrünstigen Monstern mutieren. Eine speziell für sie entwickelte Medizin soll sie sedieren. Doch diese Medizin beraubt sie gleichzeitig auch ihrer Persönlichkeit und ihrer Lebensenergie. Viele Lykaner weigern sich, sie einzunehmen. Unentdeckt leben sie unter Menschen.

Die Gesellschaft ist tief gespalten, die Menschen und Lykaner stehen sich in Feindschaft gegenüber. Die Situation eskaliert, als lykanische Terroristen Flugzeuge in ihre Gewalt und zum Absturz bringen, nachdem sie Passagiere und Crew töteten. Weitere Anschläge lassen nicht lange auf sich warten.

Das ist die Stunde der Demagogen – auf beiden Seiten – um Menschen und Lykaner gegeneinander aufzuhetzen. Sollte diese Entwicklung jemandem bekannt vorkommen, so kann der davon ausgehen, dass der Autor das beabsichtigt hat.

Chase Williams ist der neue starke Mann im Land, der daran geht, das Amt des Präsidenten zu erobern. Rücksicht kennt er nicht, Skrupel genauso wenig. Ich bin mir bei der Charakteristik dieser Figur nicht sicher, ob der Autor die Ära Bush aufgearbeitet hat oder bereits Donald Trump vorwegnimmt. Die rücksichtslose, populistische Art und Weise, mit der Williams vorgeht, und sein Umgang mit Fakten, lässt auf Letzteren schließen.

Claire Forrester ist eine junge Lykanerin, deren Familie im Rahmen einer „Säuberungsaktion“ ausgelöscht wurde. Einzig ihr gelang die Flucht. Auf der sie den jungen Patrick Gamble kennenlernt. Der eher unauffällig lebende Junge wurde als einziger Überlebender der Flugzeuganschläge als nationaler Held gefeiert. Das Schicksal lässt die Wege der beiden immer wieder kreuzen, und sie wissen längst, dass sie etwas für einander empfinden, auch wenn sie auf unterschiedlichen Seiten stehen und gegensätzliche Ziele verfolgen. Sie beide aber eint der Wunsch nach einer besseren, friedlichen und gemeinsamen Zukunft, vor allem angesichts der apokalyptischen Zustände nach einem verheerenden Anschlag auf ein Kernkraftwerk, der weite Teile Amerikas unbewohnbar macht.

Die Grenze zwischen gut und böse, zwischen richtig und falsch verläuft nicht zwischen den verfeindeten Gesellschaften, sondern innerhalb dieser. Die Welt ist komplexer, als sie von den Demagogen dargestellt wird. Claire macht sich auf, den Anführer der Lykaner zu töten, um ein Ende der Auseinandersetzungen herbeizuführen. Balor, dieser lykanische Anführer, lebt und agiert unauffällig im Hintergrund und ähnelt in gewisser Weise Osama Bin Laden. Patrick schlägt auf der Suche nach seinem Vater eine militärische Laufbahn ein, und muss bald schon erkennen, dass dieser längst zu einem Opfer des Krieges geworden und zu einem Lykaner mutiert ist. Dessen Aufzeichnungen jedoch führen Patrick zu einem Medikament, das die Seuche stoppen kann. Doch ist es dafür nicht längst zu spät?

Großes Kino mit viel Action in einem Endzeit-Thriller, in dem sich jede Menge Bezüge zur Gegenwart finden.


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