Verfasst von: eleucht | 29. September 2017

„Das Implantat“ – Daniel H. Wilson

Implantat 001Eine Dystopie, die gar nicht mehr so fern und auf Grund der technologischen Entwicklung auch nicht unmöglich zu sein scheint. Neuronale Implantate, die den Menschen ins Gehirn eingesetzt werden, erweitern ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten in bisher nicht gekanntem Ausmaß. Auch Krankheiten wie Autismus und Epilepsie lassen sich damit ausschalten. Doch solche Implantate sind teuer. Nur wenige Menschen können sie sich leisten. Und damit beginnt die Spaltung der Gesellschaft in „normale“ Menschen und solche mit Implantaten, abfällig „Amps“ genannt.

Der Politiker Joseph Vaughn macht Stimmung gegen die Amps, hetzt die Menschen gegeneinander auf. Menschen ohne Implantate wären gegen die Amps aus vielerlei Gründen im Nachteil, sodass sie keine Chance hätten, sich gegen deren höhere Intelligenz und körperliche Stärke durchzusetzen. Der Demagoge Vaughn versteht es ausgezeichnet, Ängste um Arbeitsplätze und die Zukunft der Menschheit unter der wachsenden Schar seiner Anhänger zu wecken. Und aus der Angst erwächst Gewalt, die sich bald schon in offener Diskriminierung Bahn bricht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu blutigen Auseinandersetzungen und Anschlägen kommt. Der Widerstand gegen die Amps formiert sich und wird zusehends brutaler. Vaughns Bewegung schafft es, dass den Implantierten die Bürgerrechte aberkannt werden. So gut wie rechtlos sind sie gezwungen, sich in Gettos zurückzuziehen. Bewacht, erniedrigt und gejagt von den „normalen“ Menschen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Lehrer Owen Gray. Er trägt ein Implantat, das seine Epilepsie unter Kontrolle hält, eingesetzt von seinem Vater, einer Koryphäe auf dem Gebiet der neuronalen Implantate. Er hat seinen Job verloren und seine Stadt verlassen müssen. In einem Trailerpark in Oklahoma erfährt er, dass sein Implantat mehr vermag, als er bislang glaubte, dass es ihm Fähigkeiten verleiht, die ihn anderen Menschen überlegen machen. Zusammen mit Gleichgesinnten nimmt er den Kampf gegen die Diskriminierung und Verfolgung auf. Und muss am Ende erkennen, dass es Menschen gibt – auf dieser und auf jener Seite – die alles daran setzen, die Situation eskalieren zu lassen, um einen Krieg vom Zaun zu brechen. Werden seine außergewöhnlichen Fähigkeiten ihm nützlich sein können, das Schlimmste zu verhindern?

Wie leicht es doch für Demagogen ist, den Mob aufzustacheln und für eigene Zwecke zu missbrauchen. Dieser Roman reflektiert gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklungen – nicht nur in Amerika – in einer Weise, die an Deutlichkeit kaum zu übertreffen ist.


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