Verfasst von: eleucht | 14. Dezember 2010

Ein Wintermärchen

Bei dem nicht enden wollenden Flockenwirbel der letzten Tage und Wochen möchte man meinen, dass die fleißige Goldmarie mit besonderem Eifer dabei ist, die Betten ihrer Arbeitgeberin auszuschütteln. Doch weit gefehlt, dem ist gar nicht so, ganz im Gegenteil. Die ganze weiße Pracht verdanken wir der anderen, der so oft geschmähten Schwester der Goldmarie.

Es begann damit, dass bewusster Marie Pech eines Tages ein Schreiben der Agentur für Arbeit ins Haus flatterte. Lange genug hätte sie nun auf der faulen Haut gelegen, andere das Apfelbäumchen schütteln und das fertig gebackene Brot aus dem heißen Ofen holen lassen und dafür regelmäßig und pünktlich Hartz IV kassiert. Unter Androhung, ihre üppigen Bezüge zu kürzen, wurde ihr dringlich nahegelegt, sich umgehend bei dem vorgeschlagenen Unternehmen, das händeringend Arbeitskräfte sucht, um eine ihrer Qualifikation bzw. Nichtqualifikation gemäßen Arbeitsstelle zu bewerben.

Vom amtlichen Ton des Schreibens arg beunruhigt, hielt es Marie Pech für besser, nicht länger in ihrem gepflegten Phlegma zu verharren. Tags darauf warf sie sich in Schale und machte sich auf den Weg, um die äußerst geringe Chance, aus der Langzeitarbeitslosigkeit ins Berufsleben zu wechseln, wahrzunehmen, und zwar bei der „Holle International AG“. Aus dem mittelständischen Unternehmen der liebenswerten Frau Holle war längst ein weltweit operierender Konzern geworden.

Zu ihrer Überraschung bekam Marie Pech den Job. Da eine ältere Arbeitnehmerin in den wohlverdienten Vorruhestand gegangen war, wäre gerade eine Stelle frei geworden.

Marie Pech wäre ein Vorvorruhestand ja lieber gewesen, aber nun hieß es erst einmal kräftig zuzupacken. Ganz neu war ihr die Arbeit zum Glück ja nicht, schließlich hatte sie vor langer Zeit schon einmal Bekanntschaft mit dieser Art Beschäftigung machen dürfen. Sie mochte nicht gern daran erinnert werden, dass sie damals kläglich gescheitert war. Sie schob das auf ihren jugendlichen Leichtsinn. Das entschuldigte vieles.

Als sie gerade dabei war, das große Bett der Frau Holle, oder wer auch immer darin schlief, auszuschütteln, um der eben angebrochenen Jahreszeit das angemessene Design zu verpassen, wurde sie von einem jugendlichen Managertyp mit runder Nickelbrille und wichtigem Gesichtsausdruck davon abgehalten. Heutzutage, erfuhr Marie Pech nun, würde das alles längst elektronisch gesteuert, sie brauchte nur den Computer zu bedienen.

Computer? Kein Problem. Marie Pech erinnerte sich dunkel daran, vor Jahren mal an einem Computerlehrgang teilgenommen zu haben, den sie allerdings nach zwei Wochen krankheitsbedingt hatte abbrechen müssen. Ein grassierendes Virus hatte bei ihr einen mittelschweren Schnupfen verursacht. Außerdem hatte sie sich auch schon mit viel Erfolg an allen möglichen Jump’n’Run-Spielen auf dem Computer ihrer Tochter versucht. Der Umgang mit der Maus war ihr also nicht fremd.

Ja, so machte die Arbeit Spaß. Man saß im Warmen und ließ den Computer die ganze Arbeit machen. Der hatte ein Programm und wusste, wie, wo, wann und wie lange Schneeflocken zur Erde rieseln sollten.

Wenn solche Programme nur nicht immer wieder mal ein Eigenleben entwickeln würden, das den Bediener, oder den User, wie Marie Pech sich jetzt stolz bezeichnen durfte, hilf- und ratlos machte und so manches Mal regelrecht verzweifeln ließ.

Zum Glück aber gab es ja den zuständigen IT-Fachmann, der bei solchen Pannen schnell zur Stelle war. Ein netter, schnuckliger Typ mit einem Knackarsch, wie Marie Pech fand.

Ob der nichts Besseres zu tun hatte, als sich mit diesen bockigen, störrischen Maschinen zu beschäftigen?

Marie Pech wusste ihre Reize gekonnt einzusetzen, um den Strahlemann von der IT-Abteilung auf sich aufmerksam zu machen. Und so nutzte sie auch gleich die Gelegenheit, ihn herzhaft in den Knackarsch zu kneifen.

„Och, lass doch das blöde Ding“, meinte sie mit einem betörenden Augenaufschlag, auf den sie sich so gut verstand und der sich schon oft als nützlich erwiesen hatte, „es macht doch bestimmt viel mehr Spaß, an mir rumzufummeln.“

Da stand ja auch das große Bett der Frau Holle, oder wer auch immer darin schlief, völlig nutzlos herum. Aber nicht mehr lange, denn von diesem Zeitpunkt an diente es Marie Pech und dem Computerspezialisten als Liebesnest.

Und während sich die beiden in dem großen Bett ihrem Vergnügen und ihrer Lust hingeben, lässt der Computer unkontrolliert weiter neuen Schnee auf die Welt herabfallen.

Viele Märchen enden mit dem Satz: Und wenn die beiden nicht gestorben sind, dann … Über die Einzelheiten dessen, was die beiden denn so treiben, wenn sie nicht gestorben sind, wird hier jedoch nichts zu erfahren sein.

Manchmal aber wird mehr verraten.

Zum Beispiel in der Anthologie „eROTische Märchen“, die in nächster Zeit beim WortKuss-Verlag erscheinen wird – märchenhafte Geschichten, die in allerlei Variationen die Farbe der Liebe zum Inhalt haben. Ich freue mich, mit meiner Geschichte „Das rote Licht“ dabei zu sein.

http://wortkussverlag.wordpress.com/


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