Verfasst von: eleucht | 9. Juli 2016

„Bibel der Toten“ – Tom Knox

Bibel der Toten 001Die Lektüre des Romans weckte bei mir die Erinnerung an ein Konzert der Weimarer Band Bayon in Plauen. Das war irgendwann in den Siebzigern. Der Moderator, der die Band ankündigte und die Mitglieder vorstellte, fühlte sich offenbar verpflichtet zu erklären, dass die Heimat des kambodschanischen Cellisten und Percussionisten Sonny Thet nun Volksrepublik Kampuchea heiße – zur damaligen Zeit sicherlich politisch korrekt in Osten Deutschlands. Dabei warf er einen fragenden Blick auf den Musiker, worauf der mit ruhiger Stimme, aber bestimmt erwiderte, er komme aus Kambodscha. Der Beifall des Publikums war ihm daraufhin gewiss. Später erst wurde bekannt, dass fast die gesamte Familie des Musikers der Schreckensherrschaft der Roten Khmer zum Opfer fiel.

Ja, auch der Tempel des vierköpfigen Bayon findet in dem Roman Erwähnung.

Die Geschichte, die Tom Knox erzählt, beginnt aber im kalten, verregneten Norden Frankreichs. Die Archäologin Julia Kerrigan macht während ihrer Ausgrabungen eine, wie sie glaubt, bedeutende Entdeckung. Sie findet prähistorische Skelette, deren Schädel Trepanationen aufweisen. Doch der Leiter der Ausgrabungsstätte verhält sich nach Bekanntwerden des Fundes mehr als seltsam.

Ein zweiter Handlungsstrang entführt den Leser in die geheimnisvolle Welt Südostasiens. Der Fotograf Jake, verfolgt von seiner dunklen Vergangenheit, begleitet die kambodschanische Journalistin Chemda, die die Verbrechen der Roten Khmer während der Pol-Pot-Herrschaft aufdecken will.

Derweil geschehen in Frankreich zwei Morde. Der Leiter der Ausgrabungsstätte und seine langjährige Assistentin fallen einer geheimnisvollen Mörderin zum Opfer.

Auch die Recherchen von Chemda und Jake rufen Kräfte auf den Plan, die ihnen nach dem Leben trachten und sie zur Flucht zwingen. Auch die beiden finden während der Recherchen auf ihrer Flucht trepanierte Schädel. Es wird immer offensichtlicher, dass sie einem dunklen Geheimnis der Roten Khmer auf die Schliche kommen. Denn da gibt es einflussreiche Leute im Land, die alles daransetzen, dass die Ergebnisse von Chemdas Arbeit nie in die Öffentlichkeit kommen.

Natürlich wird sich herausstellen, dass die Geschehnisse in Nordfrankreich etwas mit den Enthüllungen in Kambodscha zu tun haben. Die Wege der Protagonisten beider Handlungsstränge werden sich unvermeidlich kreuzen. Mit überraschenden, beinahe tödlichen Folgen. Das Geheimnis, hinter das sie am Ende alle zusammen kommen, ist schrecklich und zieht sich durch die ganze Menschheitsgeschichte. Es ist vor allem für skrupellose Demagogen von großer Bedeutung. Kann man Menschen von ihren Schuldgefühlen befreien, kann man ihnen den Glauben an Gott nehmen und zu eiskalten Mördern im Dienste einer Ideologie machen? Niemand sollte glauben, es wäre nicht schon versucht worden, die Büchse der Pandora zu öffnen.


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