Verfasst von: eleucht | 27. Oktober 2016

Locomotiv GT

lgt-001Ungarn galt mal als ein ausgesprochen liberales Land. Heute fällt es einem schwer, sich das vorzustellen. Aber es war tatsächlich das liberalste Land des Ostblocks. Wahrscheinlich wurde dort auch die beste Rockmusik des Ostblocks produziert. Gut, darüber kann man geteilter Meinung sein, die Szene hier im Osten Deutschlands war so schlecht auch nicht. Aber in Sachen Plattenproduktionen war uns Ungarn weit voraus.

Eine der aufregendsten ungarischen Bands waren Locomotiv GT, kurz LGT. Gegründet wurde die Gruppe 1971 von Gábor Presser und József Laux, nachdem die beiden die Kultband Omega verlassen hatten. Während dieser Zeit bei Omega zeichnete Presser für die meisten Kompositionen verantwortlich, Laux‘ Ehefrau Anna Adamis schrieb die meisten Texte. Einer der bekanntesten und erfolgreichsten Titel war zweifellos „Mädchen mit dem Perlenhaar“. Frank Schöbel machte in der DDR den Schlager „Schreib es mir in den Sand“ daraus, später wurde der Titel in der Coverversion „White Dove“ der Scorpions auch im Westen bekannt.

Die Musik von LGT wurde mit Einflüssen von Folk, Blues, Jazz und Funk zusehends amerikanischer. Sie erzielten im Ausland weitaus mehr Erfolge als in Ungarn selbst. Hier konnte man ihre Schallplatten im Ungarischen Kulturzentrum, welches sich in Berlin befand, bestellen. Ja, so etwas gab es damals.

LGT tourten als osteuropäische Band zu jener Zeit unter anderem durch die USA und spielten dabei mit Bands wie Lynyrd Skynyrd, ZZ Top, Aerosmith und Chicago. Sie veröffentlichten das Rock-Musical „Imaginärer Report über ein amerikanisches Pop-Festival“, welches auch in der DDR aufgeführt wurde. Das war eine Zeit, in der, wenn auch nur kurzzeitig, ein frischer Wind von Freiheit und Rebellion durch den Arbeiter-und-Bauern-Mief wehte.

Die Besetzung von LGT wechselte in größeren Abständen. Der Sänger und Multiinstrumentalist Tamás Somló wurde seit der dritten LP „Bummm“ zu einem Stammmitglied der Band. Tragisch, er starb im Juli dieses Jahres und reiht sich damit, wenn auch mit weitaus weniger internationaler Aufmerksamkeit, in die Liste der nicht wenigen prominenten Toten dieses Jahres ein.


Responses

  1. so haben wir es auch empfunden, wünsche auch für heute alles Gute


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